"Die Rolle der Unternehmensberichterstattung am Aktienmarkt. Eine Zeitreihenanalyse des Zusammenhangs zwischen der Print-, Online- und Fernsehberichterstattung sowie den Handelsvolumina und Kursen ausgewählter deutscher Aktien"

Bertram Scheufele, Alexander Haas
2008 Medien & Kommunikationswissenschaft  
Die Kommunikationswissenschaft hat die Rolle der Medien am Aktienmarkt bislang entweder ausschließlich theoretisch oder über Anlegerbefragungen untersucht. Dieser Beitrag greift neben kommunikationswissenschaftlichen auch finanzwissenschaftliche Überlegungen auf. Er fragt nicht nach Medieneffekten auf individuelle Anleger (Mikro), sondern nach medialer Breitenwirkung, die sich in messbaren Bewegungen im Aktienkurs oder Handelsvolumen niederschlägt (Makro). Dafür wurde eine Primäranalyse der
more » ... imäranalyse der Berichterstattung ausgewählter Zeitungen, TV-Börsensendungen und Online-Finanzportale mit einer Sekundäranalyse der Handelsvolumina und Aktienkurse von zehn deutschen börsennotierten Unternehmen in einem zeitreihenanalytischen Design kombiniert. Die Ergebnisse zeigen, dass Medienwirkungen, die bis zur Makro-Ebene der Kurse bzw. Handelsvolumina durchschlagen, eher selten sind. Denn dafür müssen viele begünstigende Faktoren zusammenkommen. Darüber hinaus stellt deren Messung eine methodische Herausforderung dar. Schlagwörter: Medienwirkung, Aktie, Mikro-Makro, Mehr-Methoden-Design, Zeitreihen Vor der Jahrtausendwende kletterten die Börsen-Indizes weltweit in enorme Höhen. Anfang 2000 erreichten auch die deutschen Indizes wie DAX oder NEMAX ihre bis dahin höchsten Notierungen. Parallel dazu kamen immer neue Print-Titel zum Börsengeschehen und Aktienhandel auf den Markt (vgl. Mast 2003), um das Informationsbedürfnis einer Vielzahl von Neu-Aktionären zu befriedigen. Spätestens seit dem Börsengang der "Volksaktie" der Deutschen Telekom schien auch in Deutschland jeder Kleinanleger mit etwas Glück kurzfristige Gewinne am Aktienmarkt erzielen zu können. Anlegermagazine, Börsensendungen und Finanzportale im Internet schienen dafür die notwendigen Informationen zu liefern. Der Boom fand ein rasches Ende, nachdem die Hausse im Februar 2000 ihren Höhepunkt erreicht hatte und ab März 2000 deutliche Kursabschläge zu verzeichnen waren. Betroffen waren v. a. einstmalige Börsenlieblinge, wie EM.TV. Vor diesem Hintergrund, wie auch angesichts der weltweiten Finanz-, Banken-und Börsenkrise im Herbst 2008, stellt sich die Frage, welche Rolle die Medien am Aktienmarkt spielen. Wir fragen dabei nicht nach Effekten auf individuelle Anleger, sondern nach einer medialen Breitenwirkung, die sich im Kursverlauf und Handelsvolumen bemerkbar macht. Es geht also nicht um Mikro-, sondern um Makroeffekte. Theoretische Überlegungen Der Beitrag führt finanz-und kommunikationswissenschaftliche Überlegungen zu einer integrativen Sicht auf die Rolle der Medien am Aktienmarkt zusammen.
doi:10.5771/1615-634x-2008-3-4-347 fatcat:mvnadgbuyjfsjfkadxseqraesy