30 Peritonealkarzinose [chapter]

Hubert Leebmann, Pompiliu Piso, Thomas Schiedeck, Alexander Herold
2019 Manual der Koloproktologie, Band 2  
Einleitung Tumormanifestationen auf dem parietalen oder viszeralen Peritoneum werden als Peritonealkarzinose bezeichnet. Eine primäre Peritonealkarzinose liegt vor, wenn das Bauchfell selbst Ursprungsorgan des Tumorleidens ist. Sehr viel häufiger ist die sekundäre Peritonealkarzinose. Der Primarius ist bei dieser Form der Peritonealkarzinose meist ein Karzinom des Gastrointestinal-oder Urogenitaltrakts. Das Auftreten einer Peritonealkarzinose hat wesentlichen Einfluss auf die Prognose der
more » ... Prognose der Patienten. Eine fortgeschrittene, symptomatische Peritonealkarzinose ist auch heute noch gleichzusetzen mit einer terminalen Krankheitsphase. Für eine Subgruppe der Patienten in einem frühen Stadium der Erkrankung kann inzwischen aber mittels eines innovativen Therapiekonzeptes, bestehend aus zytoreduktiver Operation (cytoreductive surgery = CRS), hyperthermer intraperitonealer Chemotherapie (HIPEC) und systemischer Therapie eine langfristige Tumorkontrolle erreicht werden. Inzidenz Pro Jahr werden in Deutschland ca. 60.000 Neuerkrankungen eines kolorektalen Karzinoms (KRK) diagnostiziert. Bei rund 40 % der Patienten bleibt das kolorektale Karzinom eine lokoregionäre Erkrankung mit günstiger Prognose. Ca. 60 % der Patienten entwickeln im Krankheitsverlauf Metastasen. Nach Leber-und Lungenmetastasen stellt die Tumorausbreitung im Sinne einer Peritonealkarzinose die dritthäufigste Metastasenlokalisation dar. Das Metastasierungsverhalten von kolorektalen Karzinomen variiert je nach Tumorlokalisation. Während die Rate der hepatischen Metastasierung von Kolon-und Rektumkarzinomen nahezu identisch ist, weisen Kolonkarzinome eine deutlich höhere Frequenz von peritonealen Absiedlungen auf als Rektumkarzinome. Auch die histologischen Subtypen kolorektaler Karzinome unterscheiden sich deutlich im Metastasierungsverhalten. Adenokarzinome metastasieren überwiegend hepatisch. Peritoneale Metastasen liegen nur in 20,1 % der Fälle vor. Bei muzinösen Karzinomen und Siegelringzellkarzinomen findet sich in ca. 60 % bzw. 70 % der Fälle eine multilokuläre Metastasierung. Jeder zweite Patient mit muzinösem Tumor oder Siegelringzellkarzinom entwickelt im Krankheitsverlauf eine Peritonealkarzinose. Die Angaben zur Inzidenz der Peritonealkarzinose variieren erheblich. Ältere Daten und Ergebnisse aus Autopsiestudien unterliegen einem zum Teil offensichtlichen Selektionsbias mit der Konsequenz, dass die Inzidenz der Peritonealkarzinose häufig überschätzt wird. In klinischen Studien hingegen sind Patienten mit Peritonealkarzinose unterrepräsentiert. Ursache hierfür ist die nach wie vor geringe Sensitivität der
doi:10.1515/9783110614589-030 fatcat:374uyuv4cjhpdlxlnmcfgpxk5q