Von Schwarzen Raben und anderen Netzwerken. Filmdistribution in der Schattenwelt des Internets – ein Bericht

Guido Kirsten, Fabian Schmidt, Mediarep.Org
2020 Montage/AV. Zeitschrift für Theorie und Geschichte audiovisueller Kommunikation  
Unterhalb des Radars großer Teile der Öffentlichkeit segeln seit einiger Zeit diverse Projekte in den Weiten und Untiefen des Internets, die als alternative, digitale Videotheken bezeichnet werden können. Diese Quasi-Archive sind dezentral aufgebaut und bieten Zugang zu einer beachtlichen Zahl filmhistorisch relevanter Werke. Eins dieser Projekte wurde in den Cahiers du cinéma als «schönste und geheimste Goldgrube des Internets» bezeichnet (Perrot/Poli 2014, 62). Über diese und andere
more » ... nd andere Goldgruben wird wenig gesprochen; unter ihren Nutzern besteht das stillschweigende Übereinkommen, die jeweiligen Namen in der Öffentlichkeit nicht zu nennen. Auch wir werden dieses ungeschriebene Gesetz respektieren. Um das Problem zu umgehen, folgen wir dem Filmkritiker Ekkehard Knörer, der sein Filmkonsumverhalten vom klassischen Kinogang unterschieden hat: «My movie watching goes rather like this: I sit at my desk in front of my laptop, I click on a virtual bookmark up there in my browser (it's the one with the crow) and I enter my username and password» (Knörer 2012, 171; Herv. G. K. / F. S.). Knörers Bezeichnung «the one with the crow» werden wir sinngemäß übernehmen und im weiteren Verlauf vom «Schwarzen Raben» sprechen. Offizielle Informationen über dieses Projekt sind nicht verfügbar. Es gibt keine Einträge in den Online-Enzyklopädien, und unseres Wissens existiert bislang nur eine einzige Forschungsarbeit dazu, die Masterarbeit eines jungen türkischen Forschers aus Ankara (Yağci 2014); daneben findet das Projekt allenfalls kursorische Erwähnung oder wird in journalistischen Artikeln beschrieben. Auch ist die Website für
doi:10.25969/mediarep/14350 fatcat:qhd3gqfymbf3beaza23bux4uq4