Die Bedeutung der paradoxen Sera bei der Wa.R

1912 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Bewertung der Wa.R. wichtigen Fragestellungen gehört auch die nach der Existenz und der Bewertung der paradoxen Sera. Als ich im Jahre 1908 begann, in Köln die Wa.R. auszuführen, hatte ich es mir zur Regel gemacht, das gleiche Serum in verschiedenen Untersuchungsrethen wiederholt zu prüfen. Dabei fiel mir auf, daß eine nicht unbeträchtliche Zahl von Sera ein eindeutiges Resultat nicht gab. Es wurden nämlich positive Sera bei der zweiten Untersuchung negativ und negative Sera positiv, und zwar
more » ... positiv, und zwar sowohl bei der Anwendung der Originalmethode, als auch bei den Modifikationen von M. Stern, Bauer und Hecht. Ich habe diese Sera als "paradoxe Sera" bezeichnet und damals darauf hingewiesen, daß für diese Erscheinung der von Sachs und Rondoni beobachtete Einfluß der Extraverdünnung auf den Ausfall der Reaktion nicht verantwortlich gemacht werden konnte, da die Verdünnung stets in der gleichen Weise erfolgte. Diese Beobachtungen sind durch die Untersuchungen von Margarete Stern 1) an dem großen Material der Breslauer Klinik bestätigt und erweitert worden. In der ersten Versuchsreihe wurden die Sera ohne Auswahl 24 und 48 Stunden nach der Blutentnahme untersucht. Es stellte sich heraus, daß 92% der Sera auch gegenüber einer zweiten und dritten Unter. such un g konstant blieben. In einer zweiten Versuchsreihe wurden solche Sera untersucht, dieentweder eine halbe Hemmung gaben oder nach der Prüfung nach der Originalmethode und nach der Modifikation von Stern ein diferentes Resultat zeigten. Unter hundert solcher Sera, die zweibis dreimal aktiv und inaktiv untersucht wurden, wiesen nicht weniger als 72% der Sera einen Umschlag der Reaktion auf, der sowohl bei der Originalmethode, als auch der Modifikation von Stern annlihernd gleich häufig eintrat.
doi:10.1055/s-0029-1189640 fatcat:rehupi3oczcnlhxevzfpobpqpy