Balten - Slaven - Deutsche: Aspekte und Perspektiven kultureller Kontakte. Festschrift für Friedrich Scholz zum 70. Geburtstag

Helmut Wilhelm Schaller
2001
Ist es nur eine Laune der Geschichte, daß just ein Jahrtausend nach der Politik der Renovatio Imperii Romanorum Kaiser Ottos III. (t 1002), durch die Ostmitteleuropa in den abendländischen Kulturkreis eingebunden worden ist, der Eintritt der Länder eben jener Region in die Europäische Union betrieben wird, nachdem nur wenig mehr als ein Jahrzehnt zuvor die Zeichen in eine ganz andere Richtung zu weisen schienen? Über diese Frage mögen künftige Historikergenerationen entscheiden, auf jeden Fall
more » ... en, auf jeden Fall war die auffällige Parallelität nicht nur für Politiker Anlaß genug, an diese Vergangenheit -nicht zuletzt symbolisiert im oft beschworenen "Akt von Gnesen" in den Frühjahrstagen des Jahres 1000 -zu erinnern. Kulturwissenschaftler aus fünf Staaten -Deutschland, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn -haben gemeinsam eine große Ausstellung "Europas Mitte um 1000" konzipiert, die in allen diesen Ländern gezeigt wird. Neben dem üppig ausgestatteten Katalogband, der zu jedem abgebildeten Exponat auch weiterführende Erläuterungen und bibliographische Hinweise enthält, ist ein nicht weniger opulentes zweibändiges "Handbuch" erschienen, das neben einer Vielzahl weiterer Abbildungen nahezu 200 Beiträge von führenden Sachkennern (Historikern, Archäologen, Kunsthistorikern) enthält. Naturgemäß ist hierbei die Bandbreite besonders groß, reichen diese doch von überblicksartigen Essays bis zu kleinen Spezialabhandlungen mit wissenschaftlichem Apparat. Thematisch sind sie den fünf Komplexen "Moderne Nationen und ihre Vergangenheitsbilder" und "Antikes Erbe und christliche Tradition" als einführenden Blöcken, "Slawen und Ungarn in Europas Mitte" und "Die Formierung der Mitte Europas" als den Kernbereichen sowie "Neues Erbe: Nationen in Europas Mitte" als einem vor allem kulturhistorisch orientierten Block zugeordnet. Das gebündelte Sachwissen über rund zwei Jahrhunderte geschichtlicher Entwicklung (beginnend mit dem "Großmährischen Reich") ist hier, in knappe Form gegossen, versammelt; Forschungskontroversen, die es für diese Epoche ja in überreicher Fülle gibt, werden nicht gänzlich ausgelassen, erschließen sich aber mitunter erst durch die vergleichende Lektüre verschiedener Artikel. Auf den in aller Regel hohen wissenschaftlichen Gehalt der Texte kann hier nicht im einzelnen eingegangen werden. Bei aller Anerkennung für das Gesamtwerk sind allerdings einige kleine kritische Anmerkungen hinsichtlich der redaktionellen Bearbeitung, die bei nahezu 150 Beiträgern gewiß nicht einfach war, unumgänglich: Gelegentlich sind manche Übersetzungen doch recht holprig oder gar fehlerhaft, diakritische Zeichen falsch, Slawismen stehengeblieben; die Vorgehensweise bei der Nennung von Ortsnamen ist häufig uneinheitlich, vereinzelt sogar falsch (sowohl im Text als auch im Register werden der niederlausitzische Burgward Niemitzsch/Polanowice und das schlesische Nimptsch/Niemcza zu einem einzigen Niemitsch/Niemcza zusammengezogen). Aber das sind in erster Linie nur Schönheitsfehler, die sich dem Sachkundigen rasch erschließen. Wer sich künftig mit dieser für das geschichtliche Werden Ostmitteleuropas so entscheidenden Zeit beschäftigen will, wird -nicht zuletzt auch dank des reichen Quellen-und Literaturverzeichnisses -auf diesem empfehlenswerten Werk aufbauen können. Marburg/Lahn Winfried Irgang Balten -Slaven -Deutsche: Aspekte und Perspektiven kultureller Kontakte. Festschrift für Friedrich Scholz zum 70. Geburtstag. Hrsg. von Ulrich Obst und Gerhard Res sei unter Mitarbeit von Monika Glaser und Astrid Müncho. (Veröff. des Sla-Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 50 (2001) H. 3
doi:10.25627/20015037590 fatcat:74yqfrtnojhvzeq2khzqyksu5i