Review: Thomas Samuel Eberle (2000). Lebensweltanalyse und Handlungstheorie. Beiträge zur Verstehenden Soziologie

Peter Stegmaier
2008
Die von Thomas EBERLE mit seinem Band "Lebensweltanalyse und Handlungstheorie" vorgenommene methodologische Analysearbeit ist eine Art von "Reihentestung" gebräuchlicher Theorieangebote, in der er das alltägliche Handwerkszeug zur soziologischen Beschreibung von sozialer Praxis auf implizite und explizite Theorien des Verstehens dieser Praxis untersucht. Die diskutierten Handlungstheorien sind eine Auswahl von gebräuchlichen, empirisch ausgerichteten Ansätzen, welche in aufsatzförmigen
more » ... tzförmigen Einzelanalysen, verteilt über mehrere Kapitel, unter die Lupe genommen werden. Als "Testkriterium" dient eine Zuspitzung der Prämissen zum subjektiven Sinnverstehen der Protosoziologie von Alfred SCHÜTZ: Wie viel Sinnadäquanz ermöglicht ein Ansatz jeweils? EBERLE geht der Fragestellung nach, ob und inwiefern die phänomenologische Lebensweltanalyse von Alfred SCHÜTZ geeignet ist, eine tragfähige wissenschaftstheoretische Grundlegung für die Soziologie und einige ihrer handlungstheoretischen Ansätze zu bieten. Interessiert an einem derartigen Unternehmen dürften im weitesten Sinne verstehend bzw. hermeneutisch arbeitende Forscherinnen sein, die sich prinzipiell des Problems bewusst sind, was es bedeutet, das Handeln und Verstehen sozialer Akteure verstehen zu wollen. Auch als Beitrag zur laufenden Debatte in FQS zu Qualitätsstandards qualitativer Sozialforschung kann EBERLEs Vorschlag diskutiert werden, obgleich zu berücksichtigen ist, dass es EBERLE wie SCHÜTZ weder um die Normativierung des Adäquanzpostulats oder um die Subjektivierung der Soziologie noch um Validität im wissenschaftlichen Relevanzsystem geht, sondern um die bestmöglichste sinnadäquate Annäherung an die Akteursperspektive. URN: urn:nbn:de:0114-fqs0302124
doi:10.17169/fqs-4.2.740 fatcat:ydd5ijv3njhnrjocy4qft4vyqu