Die Verantwortung des Journalisten: Zum Problem der Pressefreiheit im Alltag des Lokal-Redakteurs aus christlicher Sicht

K. Durth
1976 Communicatio Socialis  
Festreden widerspricht man nicht journalistische Verantwortung und Pressefreiheit markieren wechselseitig ein Problem unserer pluralistischen Gesellschaft, die zunehmend Medienpolitik als vorrangige Gemeinschaftsaufgabe erkennt. Jedoch ist die Gesellschaft aufgrund der ebenso unterschiedlichen wie gegensätzlichen Interessen und Ansprüche seitens der Verbände und Parteien offensichtlich nicht in der Lage, eine gemeinsame Problemlösung zu finden; diese wird durch wirtschaftliche Schwierigkeiten
more » ... e Schwierigkeiten der Tagespresse noch zusätzlich erschwert. Nach der Aufhebung von Presselizenzen und -Zensur durch die alliierten Besatzungsmächte 1949 und durch den Schutz der Presse-und Meinungsfreiheit im Artikel 5 des Grundgesetzes wurde in der breiten Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland die langentbehrte Pressefreiheit bald als eine Selbstverständlichkeit hingenommen. Dies änderte sich 1962, als auf dem Höhepunkt der "Spiegel-Krise" zehntausende meist junger Menschen für die Pressefreiheit auf die Straße gingen. In der Folge der Studentenrevolte 1968/69 kam es zu entgegengesetzten Aktionen, als von der Straße her versucht wurde, mit "Enteignet Springer"-Parolen und angezündeten Verlagswagen die Freiheit der Springer-Zeitungen einzuschränken. Dies war freilich ein kurzes Wetterleuchten, das in das Gewitter einer umfangreichen Pressekonzentration überleitete\ die landesweit die Pressefreiheit zum politischen und gesellschaftlichen Thema machte. Wurde bislang Pressefreiheit in erster Linie verstanden als "Unabhängigkeit der Kommunikatoren vom staatlich-exekutiven Bereich bis zu dem Grade, daß Funktionen der öffentlichen Kritik und wirksamen Kontrolle der Herrschaftsschicht wie der Machtausübung ermöglicht werden" 2 , so ist nun die Frage der inneren Pressefreiheit und der Freiheit des Bürgers, sich durch verschiedene, miteinander konkurrierende Medien informieren zu können, in den Vordergrund getreten. Diesen Umschwung im Verständnis von Pressefreiheit -was die Freiheit gegenüber dem Staat betrifft, zählt die deutsche Presse nach wie vor zu der freiesten in der Welt 3 -verursachten aber auch folgende Faktoren: Die Ideologisierung zahlreicher Journalisten in der Folge der (linken) Medienkritik4, die vermehrten Angriffe auf Rundfunk und Fernsehen seitens der Parteien bis hin zum Wort vom Westdeutschen Rundfunk als "Rotfunk" 5 , die Forderung nach journalistischer Mitbestimmung in den Verlagen 6 und vor allem das plötzlich erwachte Bewußtsein von der Bedeutung und den Gefahren der Massenkommunikationsmittel. K. Rüdiger Durth ist Redakteur der "Kölnischen-Bonner Rundschau". In Marburg und Bonn studierte er evangelische Theologie. 1973 wurde er zum Pastor der Evangelischen Kirche im Rheinland ordiniert.
doi:10.5771/0010-3497-1976-4-309 fatcat:stpu5nltcfdbhei4ey3furv2hq