Zur psychoanalytischen Traumdeutung

1921 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Gerade in dem Verfahren der psychoanalytischen Traunideutung treten die Schwächen psychoanalytischer Methodik besonders grob hervor. Es sollen hier nicht die Grundanschauungen dieser Psychoanalyse kritisiert werden. Mit wenigen Worten soll nur, in Anlehnung an die 5. Auflage von Freuds Buch "Die Traumdeutung" gezeigt werden, mit welchen Mitteln Freud und seine Anhänger 1) Blaschko, D. m. W. 1918; Groß, Derm. Wschr. 1918 Nr. 67. ihren Anschauungen die Anerkennung als Ergebnisse
more » ... e wissenschaftlicher Forschung glauben verschaffen zu können. Nicht Erfahrungstatsachen empirischer Forschung, nicht Wahrscheinlichkeitsgründe aus logischer Ueberlegung, sondern Deutungen sind es, mit denen Freud seine Anschauungen begründet. Er glaubt beweisen zu können, "daß der Traum wirklich einen Sinn hat und keineswegs der Ausdruck einer zerbröckelten Hirntätigkeit ist", daß Träume eine Bedeutung haben und daß ein wissenschaftliches Verfahren der Traumdeutung möglich ist. Del Traum ist für ihn "ein vollgültiges psychisches Phänomen, und zwar eine Wunscherfüllung". Es kann nach Freuds Auffassung keine anderen als Wunschträume geben. "Der Traum ist die (verkleidete) Erfüllung eines (unterdrückten, verdrängten) Wunsches." Es ist bezeichnend für die psychoanalytische Methodik, mit wel-
doi:10.1055/s-0028-1140991 fatcat:36fnx3bebfhobipka6k2vh5gge