III. Abschnitt: Kulturpropaganda [chapter]

2005 Die Politik der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD): Kultur, Wissenschaft und Bildung 1945-1949  
Nr. 100. Schreiben des Chefs der Propagandaverwaltung der SMAD Oberst Tjulpanow an den stellvertretenden Vorsitzenden des WOKS Karaganow 1 über Propagandaaktivitäten. 3. November 1945 Geheim In Beantwortung Ihres Schreibens vom 18. Oktober 1945 2 , Nr. 1797/c 3 teile ich mit: 1. Innerhalb der Propagandaverwaltung der SMA gibt es eine Abteilung für Kultur und Bühnenunternehmen, die mit Fragen beschäftigt ist, die eine gemeinsame Arbeit von WOKS und unserer Verwaltung dringend erforderlich
more » ... erforderlich machen. Zur Wahrnehmung der Kontakte mit Ihnen habe ich Major Genösse Patent 4 abgestellt. Ich bitte Sie, zu seinen Händen Ihre Schreiben und Anfragen zu richten sowie die von ihm angeforderten Materialien zu schicken. 2. Die Kompliziertheit der politischen Lage in Deutschland macht eine Intensivierung sämtlicher Formen unserer Propaganda, einschließlich der Propaganda der Kultur, Kunst, Literatur und Wissenschaft der Sowjetunion dringend erforderlich. Dies ist um so notwendiger, als die Propagandaaktivität der Alliierten spürbar zugenommen hat. Deshalb bitte ich darum, uns schnellstmöglich Material (Bücher, Broschüren, Aufsätze) zuzusenden, das die Errungenschaften der unterschiedlichen Zweige unserer Wissenschaft, Literatur und Kunst zum Inhalt hat (in deutscher oder russischer Sprache), oder herausragende Wissenschaftler und andere im Bereich der Literatur und der Künste tätige Personen damit zu beauftragen, entsprechende Arbeiten mit Blick auf den deutschen Leser und insbesondere die Angehörigen der Intelligenz zu schreiben. Besonders dringend benötigt werden Manuskripte oder bereits gedruckte Bücher aus diesem Bereich für den Verlag des Kulturbundes sowie neue und besonders herausragende Werke der sowjetischen Belletristik. Darüber hinaus bitte ich Sie, uns regelmäßig Periodika und wissenschaftliche Veröffentlichungen unserer Akademien, Forschungsinstitute und Wissenschaftsgesellschaften zu schicken, um sie in der deutschen Presse und bei der Organisation von Vorträgen für unterschiedliche Schichten der deutschen Intelligenz nutzen zu können. Schließlich benötigen wir dringend sowjetische Theaterstücke, deren Fehlen einer Verbreitung des sowjetischen Repertoires auf deutschen Bühnen im Wege steht (siehe beigefügte Auflistung der am dringendsten benötigten sowjetischen Stücke 6 ). 3. Es ist nötig, systematisch und nach vorheriger Absprache mit uns Reisen unserer herausragenden Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler zu organisieren, um die deutsche Intelligenz mit den Errungenschaften der Sowjetunion in unterschiedlichen Bereichen der Kultur bekannt zu machen. 1 Karaganow, Alexandr Wassiljewitsch; Literaturwissenschaftler, 1945-48 Chefredakteur der englischsprachigen Ausgabe der Zeitschrift "Sowetskaja literature", 1950 WKP(B). 2 Die kursiv gesetzten Passagen sind in der Vorlage handschriftlich unterstrichen oder durch Randanstreichungen hervorgehoben. 3 Im Brief vom 18. Okt. 1945 Nr. 1797/s (in: GARF 5283/22/1, Bl. 1) bat Karaganow den Politischen Berater der SMAD Soboljew, zur Verbesserung des Informationsflusses aus Deutschland bis zur Errichtung einer ständigen WOKS-Vertretung einen Mitarbeiter zur Pflege der Kontakte zu beauftragen, das WOKS mit allen in der SBZ erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften zu beliefern sowie sich zu Planungszwecken über die Perspektiven der WOKS-Arbeit in Deutschland zu äußern. 4 Die kursiv gesetzte Passage ist in der Vorlage handschriftlich eingefügt worden. 5 In der Vorlage: "rabotniki literatury i isskustw". 6 Anlage fehlt in der Vorlage. Nr. 102. Schreiben des Chefs der Abteilung Kultur der Propagandaverwaltung der SMAD Major Dymschiz an den Vorsitzenden des WOKS Kemenow über die Verteilung von Literatur und anderen Materialien. 25. Januar 1946 Geheim Die Propagandaverwaltung der SMAD hat von Ihnen zwei Posten Literatur und sonstiges Material samt Begleitschreiben erhalten. Ich bin Ihnen überaus dankbar und hoffe auf weitere systematische Zusammenarbeit mit Ihnen auf dem Gebiet der Propaganda sowjetischer Kultur und Kunst in Deutschland. Entsprechend Ihrer Bitte teile ich Ihnen mit, wie das von Ihnen geschickte Material verteilt wurde: Ein Exemplar der Ausstellung "Die Neue Ordnung" wurde der deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone übergeben und wird in den nächsten Tagen im Zentrum Berlins gezeigt werden . Es ist geplant, diese Ausstellung anschließend in die wichtigsten Städte der Provinz ziehen zu lassen. Das zweite Exemplar der Ausstellung wurde der Leitung der Sozialdemokratischen Partei übergeben und wird zunächst in deren Gebäude und anschließend in den Provinzleitungen der Sozialdemokratischen Partei gezeigt werden. Das Lehrbuch der russischen Sprache wurde an den Chef der Abteilung Volksbildung der SMAD Genösse Solotuchin weitergeleitet, dem auch die von Ihnen dargelegten Veröffentlichungsbedingungen mitgeteilt wurden. In dieser Frage wird sich Genösse Solotuchin offensichtlich selbst unmittelbar mit Ihnen in Verbindung setzen. Die Manuskripte "Meine Kindheit" von Gorki, "Tanker Derbent" und "Frontbriefe" von Krymow 8 sowie "Zwei Kapitäne" von Kawerin wurden dem "Aufbau"[-Verlag] des "Kulturbundes" übergeben und werden im Laufe des ersten Halbjahres 1946 erscheinen. Die Theaterstücke "Jegor Bulytschow" von Gorki und "Stürmischer Lebensabend" von Rachmanow wurden dem künstlerischen Leiter des Max Reinhardt-Theaters (Berlin) Gustav [von] Wangenheim 9 übergeben und werden in der laufenden Spielzeit aufgeführt werden. Gleichzeitig wurden mehrere Exemplare in die Provinz geschickt, wo ebenfalls Inszenierungen dieser Stücke geplant sind. Die von Ihnen geschickten Aufsätze wurden an die Berliner Zeitungen "Tägliche Rundschau", "Berliner Zeitung", "Neue Berliner Illustrierte", "Der Morgen", "Nachtexpress"' 0 und anderen zum Abdruck weitergeleitet und sind zum Teil bereits erschienen. Das Material über die Moskauer Theater (Moskauer akademisches Theater der Kunst", Kammertheater, Zentralhaus der Roten Armee 12 ), über sowjetische Musik, über das Gesundheitswesen in der UdSSR und über das Leben sowjetischer Studenten wird in Form von Broschüren vom 7 Die kursiv gesetzten Passagen sind in der Vorlage handschriftlich unterstrichen oder durch Randanstreichungen hervorgehoben.
doi:10.1515/9783110929232.341 fatcat:gt27mldv3rasxnhyhqknaoel6e