Mündliches Portfolio im DaF-Unterricht – ein Lehrexperiment anhand von Portfolioarbeiten

Hannele Kara
2007 InfoDaF. Informationen Deutsch als Fremdsprache  
Neue Ziele der finnischen Spracherziehung In den vergangenen Jahren sind in Europa verschiedene Bemühungen für die Entwicklung der Evaluation der Fremdsprachenkompetenz unternommen worden. Mit der Definition von Referenzniveaus und ihrer Verwendung hat der Europarat auch den finnischen Schulen eine Basis zur Verfügung gestellt, die darüber Information geben kann, auf welchem Niveau die Sprachkenntnisse eines Schülers tatsächlich liegen. Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen ist heute in den
more » ... en ist heute in den finnischen Schulen, in der Grund-, Mittel-und Oberstufe, die Grundlage für die Planung und Gestaltung von Unterricht und Bewertung. Er ist auch ein Rahmenplan für Lehr-und Lernmaterialien sowie für Prüfungen. Es ist jetzt wichtig, daß verschiedene pädagogische Entscheidungen in der Unterrichtspraxis gefunden werden, um die erneuerten Ziele des Lehrplans verwirklichen zu können. Der Referenzrahmen repräsentiert eine neue Auffassung über die Sprache und das Sprachenlernen. Darin werden die Bedeutung des authentischen Sprachgebrauchs und das bewußte Handeln in der Zielkultur betont. Dies beinhaltet auch die Tatsache, daß der Sprachenlerner von Anfang an auch ein aktiver Sprachbenutzer ist. Diese Betonung wirkt unvermeidlich auf die professionelle Orientierung des Lehrers und seine Arbeitsmethoden. Die Veränderungen verlangen jedoch einen längeren Prozeß, um in der Arbeit des einzelnen Lehrers verwirklicht zu werden. Der Referenzrahmen sollte als ein pädagogisches Werkzeug gesehen werden und er sollte die Arbeit des Fremdsprachenlehrers unterstützen (Huttunen 2005: 59). Für den einzelnen Lehrer bedeutet das: studieren, ausprobieren und reflektieren. In der finnischen Forschungsarbeit haben wir bereits über einen längeren Zeitraum den Fremdsprachenunterricht als Fremdsprachenerziehung entwickelt. In den Lehrplänen werden hauptsächlich drei verschiedene Zielbereiche der Spracherziehung beschrieben: Sprachwissen, Kulturkompetenzen und Lernstrategien. Didaktischer Schwerpunkt dabei ist die Lernauffassung, nach der einerseits die Aktivität, die eigene Initiative und die Verantwortung der Schüler, andererseits das Suchen nach Wissen und seine Anwendung betont werden sollten. Der neue finnische Rahmenlehrplan (2003) plädiert somit für authentische Kommunikationssituationen als mündliche und schriftliche Übungs-und Testformen, die auf der kognitiv-konstruktiven Lerntheorie basieren. Daraus ergibt sich, daß sich die Lehrerrolle mehr als früher vom Allwissenden zum Berater und Mitarbeiter entwickelt hat. Dies führt zu aufgabenund projektorientiertem Arbeiten, wobei Prozeß und Produkt gleichermaßen wichtig sind.
doi:10.1515/infodaf-2007-0105 fatcat:2jcuhxn3j5hbfg2aeptbvepl7m