Die Cholera (Schluss.)

A. Kurz
1884 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In Spezia erfährt das plötzliche Auftreten der Krankheit in so grosser Stärke eine Erklärung durch die Constatirung, dass seit dem 12. August, dem Tag des zweiten Choleratodesfalles in der Stadt, fortwährend Erkrankungen vorkamen, welche verheimlicht wurden. Die Leichen wurden des Nachts auf abgelegenen Wegen, in Gärten und wo nur immer verscharrt, wodurch eiu beständiger Infectionsheerd künstlich erha1tei wurde. Das rapide IJmsicligreifen der Krankheit in den nächsten Tagen rührt unter anderm
more » ... rührt unter anderm davon her, dass Choleraleichen mehrere Tage hindurch auf den Strassen und in den Häusern unbeerdigt liegen blieben. Die ersten, lauter fulminante Fälle, betrafen meist Arme, welche auf den Strassen starben. Bei der unerhörten Panik, welche die Stadt ergriffen hatte, wollte zur Beerdigung dieser Leichen Niemand sich finden. Erst später wurde ein Comité von 80 Freiwilligen gegründet, welches dieselbe übernahm. Die Leichen wurden mit Kalk in grosser Tiefe versenkt. Am 23. giebt das öffentliche Bulletin 46 neue Erkrankungen und 36 Todte an, während Telegramme ans Spezia selbst 90 Erkrankungen und 72 Todte melden. An demselben Tag wurde mit der Ziehung des Militärcordon begonnen, welche am 6. September vollendet war, nachdem ca. 3000 Personen geflüchtet und 450 Arbeiter, welche das Arsenal verlassen hatten, eben noch vor Thorschluss nach den verschiedensten Richtungen geflohen waren. Was die Entstehungsursachen der Epidemie in Spezia anbelangt, so ist sicher, dass die Krankheit schon früher von Biomaggiore aus dahin verschleppt wurde. Ausserdem sollen aber später die Matrazen des Choleralazarethes auf dem Variguano, nachdem dasselbe keine Kranken mehr beherbergte, unter der Hand nach Spezia verkauft worden sein. In Busca und Spezia, welche beide vom Cordon umgeben sind, schreitet nun die Epidemie in gleicher Stärke vorwärts, bis sie in Busca am 9. September erlischt, während sie in Spezia bald zu-, bald abnehmend bis zum 7. October sich erstreckt. Von diesen beiden Orten wird aber die Krankheit nach allen Richtungen hin verschleppt. So tritt sie in den folgenden Tagen in den Provinzen Lucca, Pisa und Bologna auf, wohin sie Flüchtlinge von Spezia gebracht hatten. DEUTSCHE MEDICINISOHE WOCITENSCHRIFT. 837 Am 25. Juli starb in Lucca eine Frau, welche aus Spezia gekommen war und vorn 30. an kommen mehrere Fälle in der Provinz vor. In Pisa und Umgegend sind ebenfalls am 25. 6 Erkrankungs-und 3 Todesfälle zu verzeichnen, welche von Spezia eingeschleppt wurden. Alle die späteren Fälle, welche hier vorkommen, siiid auf diese zurückzuführen. Dasselbe gilt von der Provinz Bologna, in welcher ebenfalls am 25. in Porefta 6 von Spezia herrülirende Fälle auftreten. Die
doi:10.1055/s-0028-1143427 fatcat:xdpntmzdfvdpnd3f3d4dle27na