ÜBER KURZZEILEN UND VERSTEILUNG IM DEUTSCHEN UND LATEINISCHEN DRAMA DES 16. JH., MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG VON HANS SACHS UND J. AYRER

JOSEF HAHN
1912 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
ÜBER KURZZEILEN UND VERSTEILUNG IM DEUTSCHEN UND LATEINISCHEN DRAMA DES 16. JH., MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG VON HANS SACHS UND J. AYRER. I. Hans Sachs. Von den mittein, durch welche der lyrische Charakter des verses im drama abgeschwächt und der dialog realistischer und frischer gestaltet werden soll, verwendet Hans Sachs ausgiebig das enjambement und die reimbrechung, die er als erster consequent zur durchfünrung bringt, wenn er sie auch nicht als erster eingeführt hat (Sommer, Metrik des
more » ... (Sommer, Metrik des H. Sachs, Halle 1882, s. 88-92). Dagegen findet man in seinen zahlreichen dramen nicht ein einziges mal die teilung seines achtsilbigen verses unter mehrere personen. Dieser herrschende vers des 16. jh.'s mit seinem ausgesprochen rhythmisch-musikalischen Charakter (K. Drescher, Studien zu H. Sachs II, Marburg 1892, s. 64, anm.), der sich in der preisgäbe des natürlichen wortund satzaccents ausdrückt, war, zumal in Verbindung mit der reimvefknüpfung der verse, der teilung derselben keineswegs günstig. Denn solche verse werden beim vortrag, eben weil der rhythmus ein künstlicher ist, nackdrücklicher scandiert als verse, in welchen kein widerstreit zwischen dem natürlichen accent und versaccent obwaltet. Je kräftiger aber der rhythmus zur geltung kommt, desto entschiedener wird auch die rhythmische bewegung zu ihrem regelmäßigen abschlusse hindrängen, desto schärfer wird eine vorzeitige hemmung des rhythmischen flusses sich sowohl für den sprechenden wie für den hörenden fühlbar machen. Daher wird auch in lyrischen Brought to you by | Nanyang Technological University Authenticated Download Date | 6/2/15 4:25 AM
doi:10.1515/bgsl.1912.1912.37.279 fatcat:yo62bemkwbcore2igatvef3vya