Ueber einen brauchbaren, einfachen Test bei der Untersuchung initial-paralytischer Kranker

Erwin Popper
1919 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
ehem. Landst.-Oherarzt, d. Z. Assistent der Deutschen psychiatrischen Jjniversitatsklinik in Prag. Es sei mit nur wenigen Worten auf einen Inte11igentest hingewiesen, der sich mir bei der Untersuchung paralytiseher Kranker recht gut bewährt hat. Die hier darzulegenden Beobachtungeil entstammen meiner militärpsychiatrischen Tätigkeit und sind an einem genügend großen Krankenmaterial erhärtet. Die erste Anregung zu den diesbezüglichen Untersuchungen ergab sich mir aus der Explorationsmethodik
more » ... rationsmethodik meines früheren militärischen Chefs, Herrn O.-St.-A. Prof. Stäussier, Wien, den ich diesen Test, scheinbar mit Erfolg, oft verwenden sah. Es handelte sich vielfach um ganz initiale Fälle von Paralysis progressiva; die die Untersuchung veranlassenden Umstände waren nicht immer eindeutig ; zuverlässige anamnestische Daten waren meist nicht zu erheben, jeder ausgesprochene Intelligenzdefekt, ebenso andere, gröbere psychische Stdrungen fehlten, Aenderungen der Affektsphäre waren nicht sicher erkennbar, allenfalls ließ vielleicht der somatieche Befund, jedoch auch nicht immer deutlich, einen metaluetischen Organprozeß vermuten. Ich habe schon an anderer Stelle 4) betont und muß dies auch hier tun, daß ich die Mißlichkeit, aus einer Intelligenzfrage weittragende Schlüsse ziehen zu wollen, voll zu bewerten weiß, und möchte auch nicht so mil3deutet sein, als würde ich etwa aus einem solchen Ergebnis allein oder gar ául einen einzigen Test hin eIne Diagnose, noch dazu die schwerwiegende einer Dementia paralytica, zu stellen wagen. Immerhin hat mir der hier darzulegende Test manches Gute geleistet und in vielen Fällen, die sonst nichts einigermaßen Sicheres darboten, wenigstens den ersten Anstoß zur Vermutung einer Intellektstörung gegeben. Ich meine die bekannte Aufgabe, von 100, immer 7 substrahierend, zurückzuzahlen. Es war vielfach auffallend, wie sehr und wie schnell sonst noch wenig reduzierte Paralytiker hierbei versagten, wie manifest und eiideutig Ermüdungserscheinungen und Aufmerksamkeitsschwäche hierbei hervortraten. Ich weiß, daß die gestellte Aufgabe nicht leicht ist und auch mancher Normale hierbei Fehler machen wird, besonders der ungeübte, mindergebildete Mann. Aber bei Berücksichtigung eben dieser wichtigen Umstände und Fehlerquellen und selbstverständlich bei Außerachtsetzung der nicht ganz eindeutigen Fehlresultate leistet dieser einfache Test doch manches Brauchbare, funktioniert in vielen Fällen sogar erstaunlich gut und kann deshalb, mit allen Kautelen natürlich, durchaus empfohlpn werden; um so mehr, als eine große Reihe von Nachprülungen erwies, daß es gerade die paralytische Demenz ist, die besonders frühzeitig die sich hier offenbarenden Störungen zu zeitigen scheint. Sicherlich dürfte, und das zu behaupten glaube ich doch nach den vielen Untersuchungen einiges Recht zu haben, dieser Test zur Unterscheidung mancher organischen und funktionellen Zustände als eine der differentialdiagnostischen Hilfen gut verwertbar sein. Jedenfalls ist mir, ohne allzu leichtfertig erscheinen zu wollen, ein Neurastheniker mit einem groben Versagen bei dieser Aufgabe immerhin etwas suspekt. Ich muß aber nochmals unterstreichen, daß man natürlich nur die ganz sicheren Fehler verwenden darf, daß man immer wieder Gesamtzustand, , ,Prüfungsstupor", momentane Aufregung, natürlich auch den Bildungsgrad des Untersuchten usw. in Betracht zu ziehen haben wird.
doi:10.1055/s-0028-1137909 fatcat:ijrw224sx5gs7nzjrypczuumzi