Studien über Fleckfieber

L. Finkelstein
1922 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die nachstehende Arbeit Ist eine Zusammenfassung von Beobachtungen an etwa 900-1000 Fleckfieberkranken, die von mir, als äterem Assistenzarzte des ukranischen Nr. 10/469 Reservespitals zu Proskurow (Podolien) und später steilvertretendem 1-lauptarzte des Proskurowschen Semstwo-Infektionsspitals, in den Jahren 1919 bis 1920 behandelt wurden. Die unerhörte Fkckfieberpandemie, die in der Ukraine und Rußland in den Jahren 9l9 und 1920 wütete und auch jetzt noch nicht ganz er!oschen ist, wurde
more » ... en ist, wurde zuerst an den Grenzstationen längs der galizischei Grenze, durch die die Massenrückwanderung der Miiärgefangenen aus Oesterreich-Ungarn nach Ausbruch der Revolution stattgefunden hat, bemerkt. Die ersten Fälle wurden nicht diagnosti. ziert, weil man in der schrecklichen Grippenepidemie stand und die Spitäler dermaßen überfüllt waren, daß von einer individuellen Be handlung der Kranlen keine Rede sein konnte (so mußte z. B. ein Spital, das 120 Betten hatte, 550 Kranke aufnehmen, und 2 Aerzte sollten die 550 Schwerkranken behandeln). Der Krieg zwischen Petlura und den Bolschewiki, wobei besonders die Ukrainer kein Verständnis für epidemiologische Prophylaxe hatten, gab den passenden Nährboden für die Verbreitung der Epidemie, und dies, in Verbindung mit dem niedrigen Kulturniveau der Bevölkerung, führte zu einer solchen Pandemie, daß fast kein Haus von ihr verschont blieb und etwa 6O'lOo/o der gesamten Bevölkerung die Krankheit durchmachten. Ehe wir zum Krankheitsbild übergehen, möchten wir über einige Fälle berichten, die ihrer Seltenheit wegen der Erwähnung wert sind. So sahen wir einen Säugling, 5 Monate alt, der eiñ regelrethtes Fleckfíeber durchgemächt hat, mit großem Exanthem, das den ganzen Körper bedeckte, und hohem Fieber. Auch einige Fälle von kombinierter Erkrankung, gleichzeitig Fleckfieber und Febris recurrens, kamen uns zu Gesicht. Nachdem die Spirochete Obermeyeri im Blut gefunden worden, mathten wir in jedem Falle eine intravenöse Neosalvarsaninjektion; wir sahen gewöhnlich nach 20-24 Stunden einen Abfall der Temperatur, aber bald darauf stieg die Temperatur wieder in die Höhe, und die Patienten machten einentypischen Exanthematikus durch. Diese Fälle scheinen uns ein theoretisches Interesse insofern zu haben, als sie der Annahme einiger Autoren, der Erreger des Fleckfiebers sei ein Protozoon, strickt widersprechen.
doi:10.1055/s-0028-1132712 fatcat:um6i6uctfjflxf63vkyykljoju