Recensionen

1904 Kant-Studien  
Recensionen. Münsterberg, Hugo. Grundzüge der Psychologie. Band I. Allgemeiner Teil, Die Prinzipien der Psychologie. Leipzig, J. A. Barth, 1900. ( u. 565 S.) Die Recension eines Buches über Psychologie in den "Kantstudien"? Handelt sich's etwa wieder um eine Theorie aprioristischer Gehirnfunktionen? Aber dazu passt doch der Name des Verfassers schlecht. Die Beziehungen zu Kant müssen also wohl anderswo liegen. Blättert man das Buch flüchtig durch, um die Stellen zu finden, an denen Kants Name
more » ... denen Kants Name genannt ist, so olättert man zwar nicht ganz erfolglos, insofern als der Name wirklich hin und wieder vorkommt: aber zumeist dann doch nur in Zusammenhängen von keiner grossen Wichtigkeit, und wenn nun Münsterbergs Buch für die Kantische Philosophie dennoch so sehr in Betracht kommt, dass es eine Besprechung in dieser Zeitschrift verdient, so kann der Grund dafür auch nicht in diesen für den Charakter des Buches und für eine Vertiefung der heutigen Auffassung Kants gleich nebensächlichen Stellen liegen, die in direkter Beziehung auf ihn stehen. Aber wenn darum auch die vorliegende Rezension gar nicht darauf ausgeht, ihre Leser mit all den Bemerkungen bekannt zu machen, die hier und da für Kantische Theorien abfallen, und wenn sie es vorzieht, sich an die wesentliche Eigenart des Buches zu halten, so bleibt sie trotzdem in bester Fühlung mit den Problemen, deren Förderung die Aufgabe der "Kantstudien" sein rnuss. Mühsterbergs "Prinzipien der Psychologie" sind ein wahrhaft Kantisches Buch -freilich in einem höheren Sinne dieses Wortes als dem Kantphilologischen. In der Schulsprache der Kantianer kann man sagen: Das Thema dieses "Allgemeinen Teiles" sind die Bedingungen der Möglichkeit der Psychologie und damit zugleich die Grenzbestimmung der psychologischen Erkenntnis. Was kann Psychologie leisten ? Wo liegen ihre Grenzen? Wie weit reichen ihre Rechte? Das ist die Aufgabe, deren Lösung Münsterberg anbietet, und somit ist sein Buch recht eigentlich ein "kritisches". Er selbst bezeichnet es im Vorwort" (VJLL) als sein Hauptziel, "eine erkenntnistheoretische Grundlage für die empirische Psychologie zu gewinnen". Es kann nicht bezweifelt werden, dass die prinzipielle Behandlung dieses Problems zu unserer Zeit geradezu eine Notwendigkeit ist. Die psychologische Arbeit hat eine ganz gewaltige Ausdehnung gewonnen, und es lässt sich nicht leugnen, dass unter den Psychologen vielfach die . Tendenz besteht, alle Philosophie in Psychologie auf-oder besser untergehen zu lassen. Nun hat es ja allerdings schon vor Münsterberg, auch auf Kantischer Seite, nicht an Versuchen gefehlt, die notwendigen Schranken der psychologischen Erkenntnis aufzuweisen: durch die ganze Geschichte des Kantianismus hindurch sind solche Versuche immer von Neuem wieder angestellt worden, und schon die Kr. d. r. V. selbst hat ja der englischen Philosophie gegenüber eine analoge Aufgabe zu erfüllen gehabt. Allein Kantetudien VIII. 8 Brought to you by |
doi:10.1515/kant.1904.8.1-4.113 fatcat:5rweaocxrvbqvfwy2yfoftuaia