Einiges über funktionelle Herzdiagnostik1)

Fr. Kraus
1905 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Ich iriöehte flber einige Anregungen sprechen. welche die funktionelle Herzdiagnostik von der myogenen Theorie der Herztätigkeit, und zwar sowohl von den Tatsachen derselben wie von ihrer Betrachtungsweise empfängt. In der ihr von Engelman n gegebenen Fassung beschäftigt sich die myogene Herztheorie bekanntlich besonders mit drei Problemen: Wo und wie entstehen die Reize, welche den Herzmuskel zum Pulsieren veranlassen? Ferner: wie kommt die Sukzessioii und die Koordination der einzelnen sich
more » ... er einzelnen sich kontrahierenden Herzabteilungen zustande? Endlich: wie greifen die Nerven in die Herztätigkeit ein? Bei Betrachtung der vier Teilvermögen der Reaktionsfähigkeit des Hermuskels (Reizerzeugung, Anspruchsfähigkeit, Reizleitungsvermögen, Kontraktilität), durch deren Zusammenwirken der Herzschlag entsteht, erhebt sich also zunächst die Frage, ob wir vielleicht nunmehr auch am Krankenbett mit klinisch anwendbaren Methoden uns ein schärferes Urteil werden bilden können über die Störungen der Reizerzeugung. Bedürfnis wäre in klinischen Fällen vor allem eine Vorstellung von der Intensität der Reizbildung und der wahren Größe der Reizfrequenz, die Beurteilung der Beschleunigung und Verzögerung jener inneren Vorgänge, welche schließlich zur automatischen Kontraktion führen, also der das Tempo des 1-Ierzsehlages modifizierenden, sog. ch ro n otro pen WI rkungen, das Verständnis der Bedeutung des jeweiligen funktionellen und morphologisch -chemischen Zustandes des Herzmuskels für den Effekt der Reize, die Definition )ler Artspeziell pathologischer Herzreize, die Kenntnis des Verhaltnisses der abnormen zu den autochthonen Herzreizen und endlich des Wie und Wo der Entstehung oder doch wenigstens des Angriffspunktes derselben. Die in Betracht kommenden Methoden und Hilfsmittel sind I) vortrag in der Sitzung des vereliis für innere Medizin am 5. Dezem ber 1904. Sphygmochronogramme (ausgemessen mit dem J a c q u e t sehen Kurvenanalysator), \enenpulskurven mittels des einfachen Volh a i d sehen Verfahrens aufgenommen L Kardiogramme. Flammentachogramme. Blutdruckbestimmungen (mit den Apparaten von Hürthle, Riva-Rocci, Giirtner und die von mir auch für das Studium der Bewegungserscheinungen an den einzeln en Herzabteilungen mehr, als bisher vielleicht beliebt wird, betonte Radioskopie. Weint ich nun se1bt einen Versuch der Beantwortung solcher Fragen unteritehisse. so kamt es sich sssir viel weniger uni das Vorbringen eigentlich neuer Dinge Isandelis als daruns. Bekanntes aus desss Gesichtspunkte der funktiossellen Herzdiagnostik ins rechte Licht zu nicken. Eine absolute Trennung die-icr Fragen sisstereinander sind von der Koordination der Herzabteilungen sind dens Eingreifen der Nervess ist von vornhereiss weder möglich noch notvessdig. Auch zwingt nils die große Manssigfaltigkeit der in Betracht kournienden direkten sind indirektess Strssngen nach Art sind Ort von Anfang an weitgehende Entsagung auf. Die friiher erwähnten Kompossenten der ReaktionsfThigkeit des Herzmuke1s scheinen, zumal luster patlsologischess Bedingssngess, für sich ussabhängig von deis andern, aber auch wiederum in den versehiedesssteri Kombinationess mit den übrigen positiv sind negativ verändert werden zu kössnen durch den modifizierten natiirlichen sind durcis interferierende abnorme Reize. Damit vergeseilschaften sich noch myogene Zustände. wie solche schon durch jede Systole als solche. wie sie aber ebenfalls wiederum durch fremde Einflüsse (G-ifte etc. hervorgerufen verden. Nur in höchst beschränktem lJmfassg esidliels vermögen wir am Krankenbett das Herz zsssss Gegenstande direkter Wahrnehmung zu machen, beziehungsweise für die Vorgänge im kranken Herzen gegenständliche, objektiv analysierbare Zeichen zu gewinnen. Jede auf die krankhaften Störungen der automatischen Reizerzeugung, beziehungsweise auf vorübergehende oder auf dauernd wirksame (zum Beispiel toische, fremde Reize gerichtete Fragestellung setzt ein Verständnis der Beziehungen zwischen der Entwicklung der autochthonen oder der Interfôrenz abnormer Kontraktionsreize einer-und der Rel zbarkeit des Herzmuskels andererseits voraus, denn der Effekt der Reizung ist eine Funktion voh Reizintensität und Erregbarkeit des Herzens zusammengenommen. Die Reizbarkeit besitzt aber lis mehrfaclsesn Betracht kein kossstantes Niveass. Zunächst ändert siels bekassntlich beim schulageusden Herzess die Anspruschssfähigkeit bestiiusdig während euler Herz-1
doi:10.1055/s-0029-1187905 fatcat:cvtq47b2nbh7bpqztfmgwtw244