Ueber den Werth einiger gasförmiger Desinfectionsmittel (Schluss aus No.43.)

E. Frank, A. Doleschall
1882 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Schluss aus No. 43). iV. Chloroform. Lei i) hält das Chloroform nebst dem Phenol für das beste "specifische Antisepticuin"; derselben Meinung ist auch Augend ). Unsere Versuche nilE Chloroform waren in der beim Jod beschriebenen Weise angeordnet; in jeder Flasche haben wir 2,8-3 grm. Chloroírm verdunsteu lassen, was binnen 15-16 Stunden stets erfolgt war. Bas Ergeliniss ist folgendes: Füulnissbakterien. Nach eintägiger Einwirkung der Üblemformdämpfe waren bis zum 5. Tage wenige Bacillen mehr
more » ... ge Bacillen mehr übrig, in den meisten war die Sporenbildung abgelaufen; in der 10 Tage alten Cultur wurden neben colossalen Mengen von Sporen, verschieden grosse Bacillen und weniger Mikrokokken gefunden. Auch das zwei T age lang in Chioroformdämpfen gehaltene Material producirte bis zum 5. Tage Bacillen und sporenbildende Fäden 'eon verschiedener Länge, bis zum 10. Tage längere und kürzere Bacillen, kurze Fäden, zum Theil gegliedert oder in Sporenbildung begriffen. Aus dem drei Tage lang den Chloroformdämpfen ausgesetzten Objecte entwickelten siels bis zum 10. Tag wenig Mikrobakterien, wobei die Cultur abgelaufene Sporenbildung zeigte. Nach vier Tage langer Einwirkung des Chioroforms waren bis zum 5. Tag verschiedene Bacillen und in diesen Sporen, dann wenig zahlreiche Mikrokokken gebildet; die letzteren fehlten in der zehn Tage alten Cultur, welche nur mehr wenig Stäbchen, aber um so mehr Sporen enthielt. Erdesporen. Nach eintägiger Einwirkung der Chloroformdümpfe wies eine 5 Tage alte getrübte Cultur des Bakteriesimaterials wenig Mikrokokken und sehr viel kleine Bacillen auf; bis zum 10. Tag waren in der anderen Cultur Sporen zu Bacillen, diese zu Fäden ausgewachsen, in welchen die Sporenbildung im Gange oder bereits vollendet war. Nach ') Roth und Lei, Hdbch. etc., Bd. I, S. 494. 2) F' is else r, F., Verwerthung d. Abfallstoffe, S. 54. 590 zwei Tage langer Desinfection bekamen wir in der 5 Tage alten Cultur wieder nur kleine Stähehen und Kokken neben einigen Sporen zu sehen, während die 10 Tage alte ausser den ersteren auch grössere Bacillen und überaus zahlreiche neugebildete Sporen enthielt. Auch nach drei Tage langer Einwirkung waren die Culturen angegangen; eine funf Tage alte enthielt Stäbchen in Zoogloea-Haufen und massenhafte Erdesporeu; in zwei zehn Tage alten waren, nebst Mikrokokken und sehr kleinen Stübchen, zahlreiche Bacillen und Fäden in zumeist abgelaufener Sporenbildung zu sehen. Demgemäss konnten mittelst verhàltnissmässig grosser Mengen von Chloroformdämpfen weder (lie Fäulnissliakterien noch auch Erdesporen sbgetödtet werden; in Wohnungen wurde nach ohigeni Verhältuiss selbst die Verdanipfung von 40-45 Kilo Chioroforna pro 100 Cuit Luftraum zur Desiufection nicht genügen. V. Jodoform. Mit diesem Mittel versuchten wir die Desinfection nach dem beim Jod befolgten Verfahren. Die in die Flaschen gebrachte Menge betrug 0,319-0,442 grnl, während die verflüchtigte Menge nicht genau zu bestimmen war. Das Jodoform blieb zum grössten Tlied in den kleinen Gefässen zurück, jedoch zeigten die Flaschen nach heendigter Desinfection einen starken Jodoformgeruch. Die Controlzüchtung führte zu folgendem Ergebniss: Faulnissorganismen. Nach eintägiger Einwirkung der Jodoformdämpfe enthielt fünf Tage alte die getrubte Cultism Zoogloeahaufen von Mikrokokken, keimende Sporen und sporenbildende Bacillen, am 10. Tage nur die beiden letzteren Formen, überwiegend die letzte. Nach zwei Tage langer Desinfection lieferte die fünf Tage alte Cultur dasselbe Bild, wie bei der eintägigen Einwirkung; die zehn Tage alte enhielt sehr grosse sporificirende Bazillen. Drei Tage lang mit Jodoformdämpfen behandelt, ergab das Material eine Cultism, in welcher am 5. Tage Mikrokokken, iiberwiegend kleine Bacillen und neugebildete Sporen enthalten waren. Die Culturen des vier Tage lang desinficirten Materials zeigten, ausser massenhaften neugebildeten Sporen, am 5. Tage Mikrokokkenhaufen, am 10. Tage Mikrobakterien. Erdesporen. Nach eintägiger Einwirkung am 5. Tage Mikrokokken und Mikrobakterien, am 10. Tage besonders die letzteren zahlreich. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1196843 fatcat:onvea565bnchfbkdvroq4ahf2i