Zum Livre d'Artus

E. FREYMOND
1892 Zeitschrift für Romanische Philologie  
Bibliotheque Nationale, fonds fran^ais 337.) Alexandriner und Zehnsilbner in einem Artusroman. Obgleich sich die Form, in der die altfranzösischen Nationalepen geschrieben sind, wesentlich von der für die höfischen Epen gültigen unterscheidet, so fehlt es bekanntlich nicht an Beispielen dafür, dafs höfische Gedichte in Alexandriner-Tiraden abgefafst sind. Um von den in Zwölfsilbnern geschriebenen Branchen des Alexanderromans, denen Versionen in Achtsilbnern und Zehnsilbnern vorausgehen,
more » ... orausgehen, abzusehen, findet sich die Tiradenform und zwar Zwölfsilbner im Liede vom Ritter Hörn, welches freilich nicht durch die Form allein an die Nationalepen erinnert, ferner in der noch ungedruckten Fortsetzung des Partonopeus de Blois und in dem Abenteuerroman Brun de la Montagne, dessen Verfasser das Bestreben zeigt, weibliche Caesur ohne Elision zu vermeiden. Nur für die dem Artus-und Gralssagenkreise angehörenden Dichtungen sind die Tiradenform * resp. französische Langverse bisher nicht belegt. Die treffliche Arbeit G. Paris* über die Artusgedichte (Histoire littoraire t. XXX) hat, wenn auch die dort wiederholte Hypothese über die unmittelbaren Quellen dieser Epen berechtigten Widerspruch erfahren hat, wohl jedem Romanisten Neues und Interessantes gebracht; wir werden da unter Anderem mit dem Epigonenwerk Le Chevalier du perroquet bekannt gemacht, das weniger seines z. T. recht einfaltigen Inhalts wegen Erwähnung verdient, als der Form wegen, vorausgesetzt, dafs die von G. Paris I.e. p. 103 f. ausgesprochene Hypothese begründet ist, wonach dieser Prosaroman möglicherweise auf ein Tiradengedicht in Zwölfsilbnern zurückgeht. Bei einer Durchsicht der diesen Roman enthaltenden Handschrift (Bibl. Nat. f. f. 2154) bin auch ich vereinzelten Stellen begegnet, die einen gewissen Rhythmus zu enthalten scheinen (so unter anderen f° 4ir° und f° 48r°); dennoch habe ich nicht die Überzeugung gewinnen können, dafs die von G. Paris übrigens mit Reserve ausgesprochene Hypothese richtig ist. Allein darum ist die 1 AVeidner's Versuch, für den Joseph von Arimathia ein Tiradengedicht in Achtsilbnern zu erhalten, ist zu wenig überzeugend. -Von der in Zehnsilbnern geschriebenen Version der Prophezeiungen Merlins des Anglonornormannen Helias ist, da es sich dabei um eine Übersetzung handelt, hier abzusehen. Brought to you by | University of Arizona Authenticated Download Date | 6/10/15 1:12 PM ZUM L1VRE D ARTUS. QI Aussicht, auch in Artusromanen Langverse anzutreffen, nicht aufzugeben; denn es finden sich, wie sich aus dem Schlufs der vorliegenden Abhandlung ergiebt, Alexandriner und Zehnsilbner in einem Prosaroman, der inhaltlich die 1. c. p. 105 für den Chevalier du perroquet hervorgehobene Originalität insofern teilt, als Artus nicht ausschliefslich die ihm sonst zugedachte Rolle des Schiedsrichters und Protektors spielt, sondern aktiv in die Handlung eingreift und auch allein eine Reihe von Abenteuern unternimmt und zu Ende führt. 1 Dieser Prosaroman ist die bisher ungedruckte, schon öfters von P. Paris und G. Paris angeführte 2 , unvollständig erhaltene Fortsetzung des Prosaromans Merlin, welche zum gröfseren Teil eine eigene Version repräsentiert. Die diese Fortsetzung enthaltende Handschrift, Bibl. Nat. f. f. 337 (294 Blätter, 0,365x0,26; 4 Spalten zu je 45 Zeilen) gehört noch dem XIII. Jahrh. an und ist bis auf eine Lage von derselben Hand geschrieben. f° 93-96 rühren von einem anderen, wenig jüngeren Kopisten 3 her, der seine Vorlage des öfteren nicht entziffern konnte und in solchen Fällen den Raum frei liefs. Auf dem leeren, nicht mitgezählten Vorblatt sowie f°ir°f inden sich verschiedenen Zeiten angehörende, zum Teil verwischte Vermerke; auf dem recto des Vorblattes lese ich: les ysfoires del rei Artus in francisco, ibid. v° in verblichener, modernerer Schrift: Des Gestes du Roy Artus, endlich f° ir° oben: del Rey Artus\ ich führe das hier nur an, weil vielleicht auf Grund dieser Vermerke P. Paris den Fortsetzungen des Merlinromans, welche, so wie sie uns erhalten sind, ein Zwischenglied zwischen Merlin einerseits und dem so viele Elemente enthaltenden Lancelot andererseits bilden, den auch von G. Paris gutgeheifsenen Titel le livre du rot Artus oder le livre d } Artus beigelegt hat. 4 Bevor ich einige versificierte Stellen anführe und bespreche, wird es mir um so eher gestattet sein, im Allgemeinen auf das Livre d'Artus in ms. 337 etwas näher einzugehen, als neuerdings W. Foerster wiederholt (im Litteraturblatt XI c. 268 f. und in seiner 1 In Jehan's Rigomer mufs sich übrigens auch Artus selbst (vgl. Hist. litt. XXX 92 f.) einem Zweikampf unterziehen, aus welchem er natürlich siegreich hervorgeht. 2 P. Paris, Ms. franc,. II 343 f.; id. Rom. d. 1. table ronde II 393 ff.; V 357; III und IV passim in den Anmerkungen; G.Paris in der Einleitung seiner Ausgabe des in dem ms. Huth enthaltenen Merlin p. XXIV Anm. 2 und Hist. litt. XXX 140. Der Verweis (Hist. litt. XXX 31 Anm.) beruht wohl auf einem Irrtum. P. Paris, Romans. III 197 Anm. ist 337 Druckfehler für 339. 3 Merkwürdig ist diesem Kopisten eigene Verwechselung von stimmhaftem und stimmlosem Dental hinter* n und r; so schreibt derselbe z. B. tendes für tentes, perde für perte, andererseits lante für lande u. s. w. 4 s. Merlin p. XXIII; P. Paris, Romans V 356, ibid. I 359 wird Roman d'Artus als wahrer Name dieses Teiles angeführt, eine Bezeichnung, von der abzusehen zweckmäfsig sein wird, um eventuellen Mifsverständnissen vorzubeugen. Der modernfranzösischen Analyse der in mehreren Handschriften erhaltenen Version wird von P. Paris die Überschrift le Roi Artus gegeben. Brought to you by | University of Arizona Authenticated Download Date | 6/10/15 1:12 PM
doi:10.1515/zrph.1892.16.1-4.90 fatcat:zm2u3juswreibjlqkr6a42hqbe