Ginnen als Gottheiten

Hubert Grimme
1904 Orientalistische Literaturzeitung  
Kritik hat sich ebenso der rein historiögraphischen Kriterien zu bedienen "wie der chronologischen. Beiläufig sei bemerkt, dass die Annahme in einer älteren Untersuchung, zwischen Nadab -Asa's Zeit, die beide unbestimmbar seien, und Josaphats bezw. Baesa's (früher fallenden) Antritt müsse eine Lücke vorhanden sein, Beachtung verdient hätte. Taaks besonders hätte daraus lernen können, wie höchst notwendig die rein historischen Angaben der Königsbücher auch für die Herstellungsversuche zur
more » ... versuche zur israelitischen Chronologie sind. Und wir sind genötigt, T. den Vorwurf zu machen, dass er weder lerneifrig gewesen noch umsichtig verfahrenist Immerhin lässt sich vermuten, dass die Fehler und Unterlassungen, die Taaks begangen hat und die ihn auf jenen einsamen Pfad geführt haben, nicht lediglich seine eigenen sind. Die Schrift ist im Selbstverlage erschienen. Nach bewährter Erfahrung darf man annehmen, dass sie vorher ihre Rundwanderung absolvierte und dabei wohl diesem oder jenem Fachmanne vor Augen kam. Autoren, die sich als Denker fühlen, sind oftmals querköpfig und hören fast so wenig auf guten Rat wie Verliebte. Aber gesetzt den Fall, dass Taaks, was freilich guten Anschein hat, viel Harthörigkeit zu entwickeln im stände war, so musste ihn doch ein geschlossener Widerspruch gegen seine "Fälscher"-Marotte bedenklich machen und wenigstens zur Vorsicht zwingen. Das ist nicht geschehen. Ein milder Vorschlag, doch diese und jene Schrift noch zu lesen und sich mit ihr, sei es auch in Kürze, erst auseinanderzusetzen, hätte überdies sicher ihre Wirkung gethan und das Aergste beseitigen helfen. Nun ist schon manch' einer als "stiller, hingebungsvoller Förderer der Wissenschaft" bei grossen Gelegenheiten gepriesen worden, der dann sicher bei dem Gedanken schamrot wurde, dass er vielmehr manchen im schönen Eifer unternommenen Erstlingsversuch im stillen hindern half oder doch zu fördern unterliess. Andere aber machen sich überhaupt keine Gedanken dabei und werden deshalb auch nicht erst rot. Wieweit der Fall Taaks mit solchen guten Geistern in Berührung kam, wissen wir nicht; es genügt uns, dass er seinem Befunde nach das Thema einmal aufzurühren geeignet ist. Der Verlauf und die zahlreichen praktischen Lehren des Babel-Bibel-Streites haben doch jedenfalls erwiesen, wie verkehrt die alte Gnadenwahlslehre unserer Orientalistenkreise bisher gewirkt hat. Vor kurzem war der Schreiber dieser Zeilen genötigt, sich in einer
doi:10.1524/olzg.1904.7.16.125 fatcat:c2d4rfrhbjhnlhjkewtqiekq4q