Ergebnisse vitaler Blutfärbung (Schluss aus No. 3.)

Heinrich Rosin, E. Bibergeil
1902 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
II. Neutralroth. Wir erwähnen diesen zweiten basischen Farbstoff, der bekanntlich zur vitalen Färbung besonders häufig benutzt worden ist, hier an zweiter Stelle, weil seine färberischen Ergebnisse uns von besonderer biochemischer Bedeutung zu sein schienen. Wer mit Neutralroth viel gearbeitet hat, dem wird dessen überaus grosse Empfindlichkeit gegenüber Basen und Säuren bekannt sein; während die Farbe in destillirtem Wasser mit scharlachrother, in Säuren mit fuchsinrother Farbe sich löst,
more » ... rbe sich löst, bewirkt bereits eine so schwach alkalische Flüssigkeit, wie das Berliner Leitungswasser, bei dem sich das schlecht empfindliche Phenolphthalemn sowie Lakmus unwirksam zeigen, einen intensiven Farbenumsehiag in Gelb. Neutrairoth muss also basische Gewebe gelb, saure roth färben; in der That wird in abgestorbenen , gehärteten Organen der Kern stets roth, das Protoplasma gelb , und es konnte der eine von uns z. B. auch für die Ni ssl 'sehen Granula der Nervenzellen die Basophilie unter anderem auch durch Neutralroth nachweisen. Es musste daher von bedeutendem Interesse sein, zu erfahren, ob auch Protoplasma und Kerne der weissen Blutzellen Neutrairoth gegenüber bei unserer Methode das gleiche Verhalten zeigen würden. Weisse Blutkörperchen: Dieselben bleiben zunächst recht lange, bisweilen ein bis zwei Stunden, farblos. Auch ist die amöboide Bewegung ziemlich lange wahrzunehmen, nachdem sich die Leukocyten von der anfänglichen Starre erholt haben. Dann treten folgende tinktoriellen Verhältnisse ein: Die polynukleären Leukocyten verlieren ihre amöboide Bewegung, quellen unmerklich auf und runden sich ab ; ihre Kerne werden ziemlich deutlich, bleiben aber zunächst farblos. Im Protoplasma aber, das in einzelnen Zellen eine schwache Körnchenbewegung (s. u.) zeigt, findet sich der Farbstoff in Form auffallend grober, runder, relativ grosser, nicht sehr zahlreicher, orangefarbener Tropfen angehäuft. Die kleinsten Farbstofftröpfchen nehmen an der tanzenden Bewegung der Körnchen (s. u.) zuwQilen Antheil, falls solche vorhanden ist. Der gleiche Vorgang wird an Lymphocyten wahrgenommen ; auch hier sitzt der Farbstoff in dem schmalen Rande oder an deren Peripherie (aussen?) in Form der beschriebenen Tröpfchen. Die Mastzellen enthalten intensiv chokoladenbraune Granula. Die
doi:10.1055/s-0029-1203380 fatcat:tk3ur7whr5exnkgvrmeiyiiwwm