Über die Benennung einiger Unterabteilungen des Pleistozäns

Paul Woldstedt
1953 Eiszeitalter und Gegenwart  
In Deutschland ist es nach dem Vorschlage von Albrecht PENCK üblich ge worden, die Interglazialzeiten nach den begrenzenden Eiszeiten zu benennen. Man spricht von Mindel-Riß-Interglazialzeit, Riß-Würm-Interglazialzeit usw. Dementsprechende Bezeichnungen sind für Norddeutschland verwendet worden (Elster-Saale-Interglazialzeit usw.). Mit Recht hat R. GRAHMANN (1951) geltend gemacht, daß es sonst in der Geologie nicht üblich sei, einen Horizont oder eine Stufe nach den sie oben und unten
more » ... und unten begrenzenden Horizonten oder Stufen zu benennen. Er hat deshalb vorgeschlagen, die Interglazialzeiten durch die Vokale I, O und U zu bezeichnen, wobei I, im Alphabet zwischen Günz und Mindel stehend, die älteste, O, zwischen Mindel und Riß, die mittlere, schließlich U, zwischen Riß und Würm, die letzte Interglazialzeit bezeichnen sollte. Aber hier ergibt sich schon die erste Schwierigkeit: wie, wenn noch eine Interglazialzeit mehr vorhanden wäre, etwa zwischen Altriß und Jungriß? Dann fehlt ein Vokal zu ihrer Bezeichnung. Aber auch sonst ist es in der Geologie im allgemeinen nicht üblich, Stufen einfach durch Buchstaben zu bezeichnen. So hat auch GRAHMANN vorgeschlagen, die Namen der Thüringischen Flüsse Ilm, O r 1 a und U n s t r u t als Bezeich nungen für die drei Interglazialzeiten zu verwenden. Aber auch dies ist nicht recht befriedigend. Denn abgesehen davon, daß hier jede räumliche Beziehung fehlt, ist die Bezeichnung auch leicht irreführend. Die bekannteste Interglazialablagerung im Ilmgebiet, der Travertin von Taubach-Ehringsdorf, gehört nicht in die erste (Ilm-)Interglazialzeit, sondern in die letzte (GRAHMANN'S Unstrut-Interglazialzeit). Der bekannte Fundpunkt Wangen aus der mittleren In terglazialzeit (Orla nach GRAHMANN) liegt ausgerechnet an der Unstrut usw. So dürfte die Gefahr erheblicher Verwechslungen vorliegen. Es fragt sich, wie wir in diesem Dilemma weiterkommen. M. E. können wir nur den Weg beschreiten, der auch sonst in der Geologie üblich ist, d. h. wir müssen die Interglaziale nach typischen Lokalitäten oder Gebieten typischer Ausbildung bezeichnen. Wenn wir dabei das alphabetische System anwenden können, dann ist das natürlich ein großer Vorteil. Geht es nicht -und in sehr vielen Fällen wird es nicht gehen -dann müssen wir uns damit abfinden. Bei der heute üblichen Einteilung des Miozäns paßt es zunächst mit dem Alphabet ganz gut: Aquitan, Burdigal, Helvet -aber dann kommt erst das Torton und dann das Sarmat! Bis es gelingt, eine weltweite Gliederung des Eiszeitalters aufzustellen, müs sen zunächst lokale Gliederungen aufgestellt werden. Man kann erst dann parallelisieren, wenn die örtlichen Gliederungen gesichert sind und sich Brücken von einer Gliederung zur anderen ergeben. So wird im folgenden zunächst eine Gliederung für das Nordeuropäische Vereisungsgebiet vorgeschlagen. Es sollen dabei die Namen für die drei sicher nachgewiesenen Vereisungen: Elster, Saale und Weichsel zunächst beibehalten werden, wenn sich auch manches dagegen einwenden läßt. Aber noch scheint mir der Zeitpunkt für eine einfache Übertragung der alpinen Namen auf Norddeutschland nicht gekommen zu sein. Wenn ich auch persönlich der Ansicht bin, daß die norddeutsche Saalevereisung der alpinen Rißvereisung entspricht, so gibt es doch andere, die Riß mit Warthe
doi:10.3285/eg.03.1.02 fatcat:52is3h7esbbe7p2spcwpweirae