Die operative Behandlung der Hypertrophie und des Carcinoms der Prostata

Hermann Kümmell
1906 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die Beseitigung der durch die vergrößerte Prostata bedingten Beschwerden Ist durch die verschiedenartigsten operativen Maßnahmen erstrebt worden. Durch jede von ihnen sind mehr oder weniger glinstige Resultate erzielt worden. Von Wichtigkeit für jedes operative Eingreifen ist die Frage nach der Beziehung der Prostatahypertrophie zu den sie stets begleitenden Veränderungen der Blase. Es ist nicht zu leugnen, daß die Lannoissehe Anschauung, welche Guyon akzeptierte und der er durch seine
more » ... urch seine Autorität eine weitere Verbreitung verschaffte, daß nämlich die Prostatahypertrophie eine Teilerscheinung einer Gesamtorkrankung des Harnapparats sei, vielfach von einer weiteren Entwicklung eines operativen Vorgehens abgehalten hat. Lannois und Guyons Anschauung, daß vor allem eine Arteriosklerose die Ursache der Hypertrophie und der mit ihr verbundenen Degeneration des Hamapparates sei, Ist durch die gründliche Arbeit Caspers wesentlich erschüttert; und ferner konnte Bier bei fünf zwecks Beseitigung der Prostatahypertrophie vorgenommenen Unterbindungen der Iliaca interna in keinem Falle Arteriosklerose nachweisen: die Gefäße hatten normale, weiche Wände. Nicht besser gestützt erscheint mir die Theorie Harrisons, welcher die sämtlichen mit der Hypertrophie der Prostata verbundenen Veränderungen des Flarnapparats primär in der Blase entstehen laut. Dadurch, daß die Blase, was ja wohl nicht zu bezweifeln, in den höheren Lebensjahren an Tonus verliert und die hintere Wand tiefer in das Becken hinabsinkt, wird die Harnentleerung erschwert, es bleibt an Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1141956 fatcat:qdemxt6l65hejk7ceieeprxxly