Cyrtochilum H. B. K

F. Kranzlin
1917 Notizblatt des Königl botanischen Gartens und Museums zu Berlin  
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more » ... des Königl. botanischen Gartens und Museums zu Berlin. Wenn ich die Gattung Cyrtochilum H. B. K. wieder herstelle, so geschieht dies einzig aus eben demselben Grunde, der seinerzeit KUNTH veranla8te, sie aufzustellen. Es ist, ohne die Gattungsdiagnosen von Oncidium und von Odontoglossum mit einer Fiille sich widersprechender Merkmale zu ilberlasten, ganz ausgeschlossen, Arten wie alle diejenigen, welche sich um Oncidium Baueri oder cri&pum oder Batemanianum gruppieren, nach einer Diagnose richtig einzustellen, welche mit Zugrundelegung von (um die z. Z. herrschenden Namen anzuwenden) 0. serratum oder 0. trulla geschrieben ist. In keinem einzigen Merkmal, weder in den Perigonbliittern, noch in der Saule, noch selbst im vegetativen Aufbau findet eine soweit gehende Ubereinstimmung statt, daB eine und dieselbe Gattungsdiagnose hier geniigen kann. Ich habe auch Odontoglossum genannt, weil eine Abteilung, "Myanthium" nimlich, so vollig aus dem Rahmen aller anderen Arten herausfillt und soviele tzbereinstimmungen mit Cyrtochilum zeigt, daB die Hauptgattung ein viel klarer uminchriebenes Bild erbihlt, wenn man die Myanthia herausnimmt. Man konnte fragen, wie es denn gekommen sei, daB man die Gattung Cyrtochilurn habe fallen lassen. Die Antwort lautet: Schuld daran triagt z. T. F. KUNTH, dessen Gattungsdiagnose, obwohl recht zutreffend, doch nicht ganz so priizis ist, wie zu wiinscben gewesen wiire und der einen bereits von BENTHAM geriigten Fehler in seiner sonst sehr guten Abbildung') iibersehen hat. Der gr6flere Teil der Schuld trifft J. LINDLEY, welcher die Gattungsdiagnose KUNTHS vollig miBverstanden und die abweichendsten Formen unter Cyrtochilum beschrieben hat. Die Zusammenstellung im Index Kewensis ist Beweis dafuir. Von den dort aufgezihlten 18 Arten sind sechs echte Cyrtochila und zwar die beiden iiltesten KUNTHschen Arten, zwei REICHENBACHsche, eine von POEPPIG und eine von LINDLEY. Die 12 anderen verteilen sich auf Oncidium (6), Odontoglossum (3) und Miltonia (3), diese letzteren hat LINDLEY allein zu verantworten und 1) HUMBOLDT. BONPLAND. RIUNTH. Nova Gen. et Sp. I. 280 t. 84. Vergl. hierzu Benth. Hook. Gen. P1. III. 562 unten unter Cyrtochilum Sect. Oncidii. 6 This content downloaded from 185.44.77.82 on Sun, 15 Jun 2014 13:56:33 PM All use subject to JSTOR Terms and Conditions -82 zwar hat er auler Milt. Karwin8kii eine andere Art, Milt. stellata, zweimal beschrieben, einmal unter dem ailteren, jetzt giultigen Namen und dann noch einmal als Cyrtochilum stellatum. -Also eine des ofteren zu beobachtende Erscheinungeine Gattung, die von vornherein etwas schiirfer hatte umschrieben werden sollen, ein Beobachtungsfehler obendrein, und dann in der Folge einige Konfusion durch nicht hineingehorende Artenalles zusammen genug, um die Gattung gewisser-maBen in Verruf zu bringen. Und doch war KUNTH im Recht, als er Cyrtochilum schuf. Er kannte an echten Oncidien und Odontoglossen nicht so viele, als wir heute kennen, aber genug, um entscheiden zu kbnnen, daB die beiden Arten, auf welche hin er seine neue Gattung griindete, weder das eine waren noch das andere. Eigentiumlich ist, daB von den beiden Arten die eine zu den Cyrtochilum-Arten im engeren Sinne geb6rt, die andere zu der Sektion, welcher ich den von REICHEN-BACH gepriigten Namen Cimicifera lassen mbchte. Es ist C. flexuosum H. B. K., welches REiCHENBACH spiiter in Oncid. cimiciferum umtaufte, da es bereits ein Oncid. flexuoum Sims gab. Und dann bat J. LINDLEY auch hochst iiberraschenderweise eine echte Cyrtochilum-Art beschrieben, welche ein Reprisentant der dritten Gruppe von Arten ist, nimlich C. ixioides Lindl. (Gen. et Sp. Orchid. (1833) 211); es ist spater in die Sect. Myanthium von Odontoglossum gestellt worden. Ich hoffe, gute Griinde beibringen zu konnen, um zu beweisen, daB auch diese Gruppe besser bei Cyrtochilum unterzubringen ist, als bei Odontoglo88um, wohin, um dies hier gleich abzumachen, die vierte der von LINDLEY in den Genera et Species beschriebenen Arten gebhrt, niimlich Od. pardinum Lindl. Es ist auffallend, daB LINDLEY, dessen Scharfblick sonst so bewundernswert ist, bei dieser Gattung keine gluckliche Hand gehabt hat. Nun folgten leider in den "Folia Orchidacea" diese beiden groBen Gattungen in Form von Monographien, welche auf lange Zeit hinaus den AbscbluB bedeuteten, und beide enthielten die diskrepantesten Bestandteile, und dann folgte von REICHENBACHS Hand der Band VI von WALPERs Annalen, in welche LINDLEYs jFolia" wortlich iubernommen wurden. REICHENBAcH konnte wohl nicht anders verfahren; er hat einfach kompiliert, was ja dem Gesamtplan von WALPERS am meisten entsprach, und bat sich der Kritik und der dazugeb6rigen Diskussion meist enthalten. Er hat dann freilich, da die ganze Frage nun einmal falsch instradiert war, um sich nicht selbst zu arg zu widersprechen, spatere neue Arten von Cyrtochilum als Oncidiurn Sw. beschrieben, so u. a. in Bd. 41 (1877) der nLinnaea". Und hier mul ich gleich vorweg bekennen, dall ich leider zu einer mir hbochst unangenehmen, massenhaften Umtaufung von Arten genotigt gewesen bin. Ich habe lange Zeit geschwankt und erwogen, ob es nicbt bessler wiare, die Dinge und die This content downloaded from 185.44.77.82 on Sun, 15 Jun 2014 13:56:33 PM All use subject to JSTOR Terms and Conditions -83 -Nomenklatur zu belassen, wie sie sind; soil jedoch in der Systematik die Logik zu ihrem Recht kommen, so sind Gattungsdiagxosen fur Arten, wie ich deren oben ein paar gegeniiberstellte, ein absolutes lYnding. Das wurde mir klarer, je tfter ich das ganze gewaltige Material wieder und wieder durchgearbeitet habe, und ich balte die Ansicibt aufrecht. Bevor ich in eine weitere Besprechung iuber noob einige andere Punkte eingehe, die mir von Wichtigkeit erscbeinen, will ich zuniichst die Unterschiede zwischen Cyrtochilum und Oncidium samt Odontoglossum erliutern: Ich beginne mit dem vegetativen Aufbau. Dieser ist natiirlich ein Sympodium, aber ausgezeichnet durch sehr lange und oft iiber 1 cm dicke, mit miichtigen Wurzeln ausgeriistete Stiamme, welche mit Niederbluttern besetzt sind und sich in ziemlich weiten Abstiinden (meist 10-15 cm) zu Scheinknollen entwickeln. Unterhalb dieser stehen jederseits drei Bliitter mit langen Scheiden und auffallend langen, ziemlich langlebigen Spreiten und in der Regel sind diese "/olia infrabulbosa" langer als das Blatt, mit welchem die Scheinknolle abschliefit. Es ist meist nur ein Blatt vorhanden, seltener zwei und in diesem Falle ist nicht allzu selten das obere (kleinere) Blatt einem besonderen, ktirzeren, verdickten Internodium aufgesetzt; es sind also zwei einbliitterige Scheinknollen aufeinandergestellt. Die Abmessungen dieser Stiimme und Blitter sind meist sehr groBe, die Scheinknollen sind dagegen stets relativ klein. Es ergibt dies keine erfreuliche Aussiolt fur die Kultur bei uns, denn erfabrungs-miaBig haben die Orchidaceen mit schwacher Knollenbildung keine Aussicht, lange am Leben zu bleiben. Ich erinnere an die Zygopetalinen mit schwachen Knollen, deren vegetativer Aufbau durch die starke Entwicklung der infrabulbosen Bliitter dem bier geschilderten in mancher Hinsicht aihnelt; ferner an die madagassischen Phajus-Arten aus der Verwandtschaft von Phajus tuberculosus Lind. und Humblotii Rchb. f. Bei Oncidium wie bei Odontoglossum ist diese Art des Wucbses, den wir uns als ein Klimmen an Bitumen und Felsen vorzuste]len haben, entweder gar nicht oder nur andeutungsweise zu finden. Die Pseudobulben sind kriiftiger entwickelt, die infrabulbosen Bliatter schwiicher, und wenn sie vorkommen, werfen sie bald ibre Spreiten ab. Bei den wenigen Arten der Sektionen Cimicifera und Myanthium, von denen mir etwas reichlicheres Material zugainglich war (in Kultur diirfte kaum eine Art sein), habe ich wenigstens die relativ schwachen Scheinknollen und die massenhaften infrabulbsoen Blatter nachweisen konnen. -Aus der Achsel der obersten dieser Bliitter entspringt stets, d. h. bei allen drei Unterabteilungen, der BlUtenstand, der bei den Cyrtochilum-Arten im engeren Sinne die Lunge von 10 m erreichen kann und welcher stets windet. Er stellt das dar, was wir bisher eine Panicula nannten, aber von ganz eigenartigem Bau. Die Verzwei-6* This content downloaded from 185.44.77.82 on Sun, 15 Jun 2014 13:56:33 PM All use subject to JSTOR Terms and Conditions
doi:10.2307/3994501 fatcat:cdid3j6tvbakpgvlgk7q65jrki