Literaturbericht

1879 Historische Zeitschrift  
Eusebi chronicorum libri duo. E didit Alfred S c h o e n e . Vol. I. A. u. d. T .: Eusebi chronicorum liber prior. Edidit Alfred Schoene. Armeniam versionem latine factam ad libros manuscriptos recensuit H. Petermann. Oraeca fragmenta collegit et recognovit appendices chronographicas sex adiecit A. Schoene. Berolini apud Weidmannos. 1875. D er 1. Band des Schöne'schen Eusebios hat das lange und mühevolle Werk in der trefflichsten und würdigsten Weise zum A b schluß gebracht. W enn dem
more » ... W enn dem Herausgeber der lebhafteste Dank für seine aufopfernde und unermüdliche Thätigkeit gezollt werden muß, die wahrlich nicht immer erquicklich gewesen ist, so nicht minder den M ännern, die ihn bei einzelnen und nicht unwichtigen Theilen seiner Arbeit auf das bereitwilligste unterstützt und die ihm z. Th. wahrhaft glänzende Beiträge geliefert haben. D a s Urtheil über die Gesammtleistung steht ja wol schon vollkommen fest, und wir können uns daher bei dieser verspäteten Anzeige mit einem kurzen Berichte begnügen. D er Band enthält zunächst eine lateinische Uebersetzung des arme nischen Textes von Peterm ann, der so glücklich gewesen ist, außer den im 2. Bande benutzten Handschriften noch eine Kollation einiger Stücke aus einer Handschrift von Etschmiadsin benutzen zu können. Peterm ann hat auch hier, wie im 2. Bande, nach möglichst getreuer Wiedergabe gestrebt, freilich in Bezug auf die Transskription der Eigennamen nicht allen Wünschen genug gethan, welchen Gutschmid in seiner B e sprechung im Literarischen Centralbtatt 18 7 6 S p . 8 8 5 ff. Ausdruck verliehen hat. Am besten wäre es ohne Zweifel gewesen, wenn mit dem alten Z opfe, den: zu Liebe man Übersetzungen in's Lateinische anfertigt und lateinische Vorreden zu griechischen Schriftstellern ver faßt, definitiv gebrochen und der armenische Text nach dem Vorbilde von Langlois it. a. in einer modernen Sprache wiedergegeben worden wäre. P arallel mit diesem Texte sind die griechischen Fragmente gedruckt worden, von Schöne bearbeitet, der zuerst die Anekdota Cramer's für seine Ausgabe ausbeuten konnte. Lagarde hat hier eine neue Kollation des Stückes II S . 1 1 5 -163 beigesteuert. Diese Bearbeitung kann als das gemeinsame Werk Schönens und Gutschmid's bezeichnet werden, welcher letztere namentlich die Emendation außerordentlich gefördert hat. Nach seiner eigenen Erklärung bezwecken seine V er besserungen nicht die Herstellung des Textes des Eusebios selbst, sondern die des von diesem jedesmal excerpirten Schriftstellers. B e dauerlich ist nu r, daß Schöne öfters einer Emendation den Namen Gutschmid's hinzugefügt hat, die bereits früher von anderen vorweg Brought to you by | University of Texas at El Paso Authenticated Download Date | 10/28/18 1:35 AM Brought to you by | University of Texas at El Paso Authenticated Download Date | 10/28/18 1:35 AM Anekdoten, die den Stem pel der Erfindung an sich trügen. Gewiß, er hat Recht: diese Geschichten sind nicht historisch. Aber über diese E rzählungen, Geschichten, Anekdoten nicht mehr sagen, als daß sie nicht historisch seien, sondern ein A usfluß der "moralischen Auffassung" H erodot's und der griechischen Fabelsucht, das heißt über sie nichts sagen. Die Erzählung H erodot's von der Stellung der K orinther, Thebaner und A rgiver träg t nach Wecktein deutliche S p u re n einer den Athenern ungünstigen, jenen S täm m en feindlichen Auffassung an sich; es ist die Feindschaft A thens gegen Korinth wie gegen Theben, durch die die D arstellung der Ereignisse beeinflußt sein soll. H ier folgt Wecklein den S p u re n P lutarch's in seiner Schrift de H erodoti m alignitate. Ich würde mich jedoch an seiner Stelle mit etw as weniger Zuversicht diesem F ührer angeschlossen haben. W enn die A thener in ihren Erzählungen wirklich der Feindschaft gegen ihre Nachbarn so viel G ehör gaben, w arum haben sie da nicht auch der Freundschaft R aum gegeben? Z u derselben Zeit, wo T hebaner und K orinther den Athenern verfeindet w aren, w aren die A rgiver und Thessaler ihnen befreundet, und dennoch erzählt uns Herodot von ihrem V erhalten im Perserkriege wenig Ehrenvolles. Wie richtig im ganzen die herodoteische Darstellung ist, sieht man am deutlichsten daraus, daß z. B. Thukydides überall, wo er sich auf die Perserkriege bezieht, genau mit ihr übereinstimmt. Auch hier ist Wecklein's Kritik völlig ungenügend, und weit davon entfernt, zu einem dauernden, fest begründeten Ergebnisse gelangt zu sein. W iederholt zieht Wecklein den Bericht späterer Historiker dem herodoteischen vor: Ktesias, E phoros und Theopomp erfreuen sich dieser Bevorzugung. Nichts kann verkehrter sein als diese Methode der G e schichtsforschung. D enn welcher G rad von Glaubwürdigkeit diesen Schrift stellern zukomme, darnach hat Wecklein nicht gefragt. N un aber weiß jeder, der einen Blick in die Reste des Ktesias gethan hat, daß seine Nachrichten über den Krieg in H ellas nicht zu brauchen sind. E phoros und Theopomp sind große N am en; aber durch große Namen darf man sich nicht bestimmen lassen: man muß fragen, wie haben diese M än n er die ihnen überlieferte Geschichte weiter der Nachwelt über geben? Und w as w ir da von ihnen sehen und hören, ist nicht ge eignet, ihre A utorität allzugroß erscheinen zu lassen. J a , bei Theo pomp, den Wecklein besonders begünstigt, ist nicht nu r die W ahrheits liebe sehr zweifelhaft, sondern w ir sehen auch, daß er dort, wo uns in seine A rbeit ein Blick gestattet ist, sich begnügt h at, seine V or-Brought to you by | University of Texas at El Paso Authenticated Download Date | 10/28/18 1:35 AM gänger abzuschreiben, daß also von erheblicher Quellenforschung bei ihm nicht die Rede sein kann. Einem solchen Führer wird man sich daher nur mit großer Vorsicht anvertrauen, und man wird sich hüten, mit Wecklein dem Theopomp z. B. zu glauben, daß die Schlacht bei Marathon nichts gewesen sei als ein winziges Gefecht, das erst durch die Nachwelt zu einer großen Schlacht aufgebläht sei (S. 34 ff.). Sehr häufig läßt uns Herodot im Stiche, und seine Erzählung verschafft uns nicht immer die Klarheit und Einsicht, die wir zu haben wünschten. Ob aber in solchen Fällen die abweichenden Darstellungen späterer Historiker das Nichtige überliefern, das ist eine ganz andere Frage, die erst dann beantwortet werden kann, wenn wir wissen, welche von Herodot unabhängige Quellen ihnen zu Gebote standen und wie sie dieselben benutzten. Alles in allem: Wecktein hat mit seiner Schrift unserer Wissen schaft keinen Dienst geleistet. Man vermißt bei diesem Kritiker das Verständniß für Herodot; mitleidig sieht er auf den alten E r zähler wie auf eine gestürzte Größe herab. S. 61 wird der "staatsmännische Blick des Thukydides" dem "moralisirenden Herodot" gegen über hervorgehoben. Dieser etwas triviale Vergleich verräth weder Geschmack noch historisches Urtheil. Zugegeben, Herodot hätte keinen "staatsmännischen Blick" besessen, so ist es doch ungerecht, wenn man zwei Männer so vergleicht, daß man an dein einen Eigenschaften lobt, die der andere nicht haben kann. Was ist nun aber jener "staatsmännische Blick", und woher weiß Weckleiu, daß Herodot ihn nicht gehabt habe? Benedictus Niese. O k ta v iu s C la s o n , Römische Geschichte vom ersten Samniterkriege bis zum Untergang des Alexander von Epirus. II. Als Fortsetzung von A. Schwegler's römischer Geschichte. Halle, Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. 1876. Eine Fortsetzung von Schwegler's römischer Geschichte gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Es mußte als eiu außerordentlich kühnes Unternehmen erscheinen, sich an die Seite eines so ausgezeichneten Forschers zu stellen und dadurch beständig den Vergleich herauszu fordern; es mußte stets zweifelhaft bleiben, ob der Fortsetzer, selbst wenn er an geistiger Kraft Schwegler ebenbürtig war, auch wirklich nach seinem Plane weiter arbeitete, da sich nicht mit Bestimmtheit sagen läßt, welchen Raum Schwegler in den späteren Bänden der Kritik zu widmen gedachte; es war endlich mehr als fraglich, ob nach Brought to you by | University of Texas at El Paso Authenticated Download Date | 10/28/18 1:35 AM Brought to you by | University of Texas at El Paso Authenticated Download Date | 10/28/18 1:35 AM D ie Kirche Christi und ihre Zeugen oder die Kirchengeschichte in Biographien durch Friedrich B ö hringer. X I. Zweite völlig umgearbeitete Auflage: zweite Ausgabe. (A. u. d. T .: Die alte Kirche. XL D a s 4. und 5. Jahrhundert. V on Friedrich und P au l Böhringer.) In h a lt: A nrelins A ugustinus, Bischof von Hippo. Erste Hülste 1877. Zweite Halste 1878. Stuttgart, M eyer n. Zeller. M it Bezug uns unsere G en eralan zeig er soll hier der letzterschienene T heil des weitschichtigen W erkes besprochen werden. G ewidm et ist r V gl. H. Z. 39, 131 f. Hiitorische Z eitsch rift. N . F . B d . V. Brought to you by | University of Texas at El Paso Authenticated Download Date | 10/28/18 1:35 AM *) S o hat der echte Text der Gotsrid'schen S ib y lle in den M on. 22, 1 4 6; die V ariante " re x n o m in e II. an im o c o n sta n s" vcm ith sich schon durch d as ganze Gesügc a ls In terp o la tio n . D a s Ursprüngliche hat hier nur biotsrid be w ahrt; m annn die unbequem konkrete Bezeichmmg bei Ad so zu einem " re x cu ju s n oin en e rit C .", von der berner S ib y lle gar zu einem " re x de B iz a n tio " abgeschwächt worden ist, liegt ans der Hand.
doi:10.1524/hzhz.1879.41.jg.117 fatcat:ha6sxnd3knb2tb4q6vmnjzikwe