Aerztlicher Verein zu Hamburg

1886 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Vorsitzender: Herr Ourschm ann. . Schriftführer: Herr Lomer. Herr Simmonds demonstrirt ein Präparat von Aktinomykose beim Rinde. Die rechte Unterkieferhälfte ist über faustdick aufgetrieben, an der erkrankten Stelle fracturirt; die darüber befindlichen Zähne sind sehr gelockert. Unter der Mundschleimhaut wölbt sich an der Innen-und Aussenseite des Kiefers je ein faustgrosser fluctuirender schlaffer mit gelatinösen, graugelben, von den bekannten Pilzkörnern durchsetzten Massen erfüllter Sack, an
more » ... erfüllter Sack, an dessen Oberfläche, wie auch unter der Oberfläche der benachbarten Gingiva zah1reiclie gelbe Körner durchschimmern. Zweithalergrosse Fisteln führen von aussen in den Knochen, der mit den gleichen gelatinösen elastischen Massen erfüllt ist. Von einer Eiterung ist nirgends eine Spur vorhanden. Wie die aufgestellten mikroskopischen Präparate zeigen, bestehen die gelben Körner, die nur vereinzelt verkalkt sind, aus den charakteristischen Strahlenpilzen. Im Anschluss an die Demonstration giebt Herr S. noch eine kurze Uebersicht über die Pathologie der Aktinomykose beim Menschen. Herr Curschmann demonstrirt ein neues chemisches Präparat, das Saccharin und empfiehlt es als Ersatzmittel des Zuckers besonders für Diabetiker. Das Saccharin ist kein Kohlenhydrat; es ist chemisch dem Zucker auch gar nicht verwandt, es ist ein aus dem Theer dargestellter Körper, der die Eigenschaft besitzt, ausserordentlich süss zu schmecken (280 mal süsser wie Rohrzucker), Da das Saccharin dem menschlichen Körper absolut unschädlich ist und unzersetzt durch die Nieren ausgeschieden wird, ist Herr C. der Ansicht, dass damit eine Möglichkeit gegeben ist, den Diabetikern süsse Speisen gestatten zu können und dadurch in deren sonst so beschränkten Diätvorschriften etwas Abwechselung einzuführen.
doi:10.1055/s-0028-1140196 fatcat:r5solnyy6bdzpc5vyb5wncu5iq