Reinhard Fiehler/Caja Thimm (Hgg.): Sprache und Kommunikation im Alter

Joachim Grzega
2001 Zeitschrift für Sprachwissenschaft  
Der vorliegende Sammelband beleuchtet ein Rahmenthema, das bislang in der germanistischen Soziolinguistik eher ein Schattendasein geführt hat. Und um es gleich vorweg zu sagen: das Werk ist für Forschung und Lehre gleichermaßen geeignet und empfehlenswert. In ihrer Einleitung (S. 7-16) geben Fiehler und Thimm einen sehr anschaulichen forschungsgeschichtlichen Überblick, der sich auch als Einstiegslektüre für Soziolinguistik-Seminare eignet. Aus diesem wie auch aus vielen der nachfolgenden
more » ... nachfolgenden Beiträge wird ersichtlich, auf welch verschiedene Weisen der Terminus Alter im sprachwissenschaftlichen Sinne definiert werden kann (zeitlichnumerisch, biologisch, sozial, interaktiv-kommunikativ). Die Herausgeber erachten es dabei für wichtig, sich bei Untersuchungen von Gesprächen älterer Menschen folgender auffalliger Unterschiede bewusst zu werden: innergenerationelle vs. intergenerationelle Kommunikation und innerfamiliäre vs. außerfamiliäre Kommunikation. Fiehler/Thimm bringen dann einen kurzen Überblick über die wichtigsten Ansätze: Altersspezifik als Menge abweichender Merkmale konzeptualisieren, Untersuchungen zum Stereotypenmodell der vermeintlich eingeschränkten Alterskommunikation anstellen, Prozesse der interaktiven Aushandlung eines variabel definierbaren sozialen Alters untersuchen. Aus dem einleitenden Artikel von Reinhard Fiehler und Caja Thimm wird schnell klar, dass -ähnlich wie einst bei der feministischen Linguistik -die deutsche Sprachwissenschaft der amerikanischen um knapp zwei Jahrzehnte hinterherhinkt. Es nimmt daher kaum wunder, dass durch das ganze Buch hindurch immer wieder amerikanische Wissenschaftlerinnen zitiert werden. Insbesondere stechen dabei die Namen Coupland und Nussbaum ins Auge (vgl. z.B. Coupland/Coupland/Giles 1991 und Nussbaum/Coupland 1995). Und auch die Forschungsaktivitäten von Susan Kemper (vgl. beispielsweise 1992) seien hier nicht zu vergessen. Der Tagungsband gliedert sich in vier Hauptabschnitte. Dabei umfasst der letzte Abschnitt zwei Beiträge zu klinisch-pathologischen Phänomenen von ). Derartige Themen sind seit langem wohlbekannt und dürfen daher bei einem solchen Themengebiet nicht fehlen. Einem breiteren Lesepublikum ist auch das Phänomen der patronisierenden Sprechweise bekannt (in der englischsprachigen Literatur patronizing speech oder elderspeak genannt), wie es häufig in der Altenpflege zu beobachten ist; dies ist Thema des Beitrags von Svenja Sachweh. Mit einer etwas anders gelagerten Frage, nämlich der Realisierung von Komplimentmustern in Altenheimen und -tagesstätten, befasst sich der Artikel von Margitta Lambert (S. 161 -174).
doi:10.1515/zfsw.2001.20.1.147 fatcat:jzmcbjmikrfi3f7iwaifg2btf4