Regionalhistorische Museen [chapter]

2020 Flucht und Vertreibung in europäischen Museen  
Die Geschichte der Region Oberschlesien darzustellen ist in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Nachdem die schweren geschichtspolitischen und geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland, Polen und auch der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders nach 1989 abgeklungen sind, bleibt die Geschichtsschreibung unter anderem mit der Präsenz der oberschlesischen Autonomiebewegung und der deutschen Minderheit umstritten -umstrittener als in
more » ... als in Niederschlesien und anderen Regionen Polens. Damit verbindet sich auch die Frage, wie Oberschlesien räumlich zu fassen ist, was es ausmacht und wer als Oberschlesier zählt. 1 In Polen selbst ist das historische Oberschlesien heute hauptsächlich in die Woiwodschaften Oppeln und Schlesien aufgeteilt. Im polnischen Sprachgebrauch wird für gewöhnlich mit Schlesien (Śląsk) zumeist das im Deutschen als Oberschlesien bezeichnete Gebiet benannt und seltener spezifisch von Oberschlesien (Górny Śląsk) gesprochen. 2 Einzelne Elemente der oberschlesischen Geschichte und mit ihr verbundene historiographische Diskussionen werden im Folgenden skizziert, insofern sie wenigstens mittelbar für das Verständnis der Verhältnisse in Oberschlesien am Ende des Zweiten Weltkrieges und danach von Bedeutung sind. Besonders im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Präsenz ›slawischer‹ und ›germanischer‹ Stämme in Antike und Frühmittelalter im oberschlesischen Raum in Hinblick auf nationale Ansprüche diskutiert, ohne dass diese nationalistische und ahistorisch ethnisierende Frage beantwortet werden konnte. 3 Im Mittelalter selbst ist es nie zu einer geschlossenen Herrschaftsbildung in der Region gekommen. Diese stand zumeist unter der Oberhoheit benachbarter Dynastien, wie der böhmischen Přemysliden. Die einheimischen Herrschaften verloren mit der Integration der 1 Vgl. für eine Diskussion der Frage aus deutsch-polnisch-tschechischer Perspektive: Baron; Michalczyk et al.
doi:10.14361/9783839451694-007 fatcat:t74muqma6newdfgeoiogathriy