XVIII. Das heutige Belgien

1891 Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein  
Thüringen" (Dial. I, 27); s. auch Wijbrands a. a. 0. über den Fatalismus der Zeitgenossen unseres Autors. Brought to you by | Nanyang Technological University Authenticated Download Date | 6/18/15 11:24 PM haben, und den Schweinen, die sich nach der Schwemme wieder im Koth wälzen. (II. Petr. 2, 22). Das Leben eines Mönchs, welcher ganz nach der Regel lebt, ist ein fortwährendes Kreuz, weil er durch den Gehorsam in allen Gliedmassen gekreuzigt wird. Durch die Autorität der Kirche steht der
more » ... che steht der Ordensstand höher, als die Kreuzfahrt. Der Orden der Cisterzienser hat vom apostolischen Stuhle die Verwilligung, dass jemand, welcher das Kreuz genommen oder sich zu einer andern Wallfahrt verpflichtet hat, sobald er in den Orden treten will, vor Gott und der Kirche von jenen Verpflichtungen losgesprochen ist. Wären jene beiden Kreuze, das Ordensleben nämlich und die Pilgerfahrt, gleich heilsam, dann würde es auch gleichgültig sein, wenn man das eine mit dem andern vertauschte. Ein Mönch, welcher den Orden verlässt und das Kreuz nimmt, oder, was jedoch eher zu dulden wäre, ohne Befehl und Erlaubniss sich einer Pilgerfahrt anschliesst, gilt nicht als Pilger Christi, sondern als Apostat. Der Nachfolger des hl. Petrus, welchem die Schlüssel des Himmels befohlen sind, weiss, dass es viel heilsamer ist, innerlich fortwährend gegen die Verführung zu Laster und Sünde, als draussen für einige Zeit gegen die Schlachtreihen der Sarazenen zu kämpfen. Mehreren jedoch, welche in den Orden treten wollten, hat der hl, Bernhard ihr Gesuch abgeschlagen; dagegen ihnen befohlen, sich mit dem Kreuze zeichnen zu lassen. Der öfters genannte Geistliche folgte nun® mit seinem Gefährten Walther dem hl. Bernhard nach Clairvaux und beide sind dort Mönche geworden. Es geschah um diese Zeit, dass von Clairvaux ein Konvent nach A nine 1 ), einem Kegularherrenkloster, ausgeschickt wurde, indem die dortigen Brüder beschlossen hatten, die Ordensregel von Citeaux anzunehmen.' Der Liitticher hatte die grösste Lust, mitzugehen; er scheute sich jedoch, dem Abte diesen Wunsch auszusprechen, indem er fürchtete, derselbe könne für leichtfertig erklärt werden. Er betete daher zu Gott und bat um eine Enthüllung, wie er sich zu verhalten habe, und er vernahm eine Stimme, welche sprach: "Bitte, was Du willst, und es soll Dir gewährt werden." Da begab er sich zum Abt und erklärte freien Muthes; »Vater, wenn es Euer Wille ist, möchte ich gerne mit jenen Brüdern nach Aulne gehen." ""Gehe mit ihnen in Gottes Namen," " erwiderte der Abt, und so wurde er nebst Wal-1) Alna; näheres über diese Abtei wird unten folgen. Brought to you by | Nanyang Technological University Authenticated Download Date | 6/18/15 11:24 PM Das heutige Belgien. 203 ther dorthin mitgeschickt. Bald nachher wurde er daselbst Prior. \ls ihm eines Tages ein dortiger Mönch durch ein Zeichen andeutete, er wünsche zu beichten, gab ihm der Prior, der gerade die Sept unserer lieben Frau singen wollte, zu verstehen, er möge ein wenig warten. Inzwischen läutete es zur Sept und beide betraten den Chor. Als der Prior hier seinen Stuhl eingenommen hatte, warf sich ein Engel -dass es ein solcher gewesen, hat sich nachher herausgestellt -in Gestalt und Kleidung jenes Mönchs vor dem Prior nieder, als wolle er beichten; als dieser ihn jedoch aufheben wollte, war er verschwunden. Da erkannte der Prior, dass es der Schutzengel jenes Mönchs gewesen, der ihm gewissermassen einen Vorwurf habe machen wollen, dass er die Beichte des Mönchs nicht sofort abgenommen habe 1 ). Nach beendigter Höre rief der Prior diesen herbei und sprach: "Lege jetzt Deine Beichte ab." Der Mönch erwiderte: ""Herr, ich kann bis morgen warten."" Da entfuhren dem Prior die Worte: "Ich werde keinen Bissen zu mir nehmen, bevor ich Deine Beichte gehört habe." Es war nämlich Essenszeit. Jetzt that der Mönch seinen Willen. Der Prior aber machte Gott das Gelöbniss, wenn er das Zeichen des beichtens sehe, sich durch kein Geschäft, durch keinerlei Anlass, sei es, dass er einen Psalm oder eine Andacht zur hl. Jungfrau begonnen habe, abhalten zu lassen, eine Beichte zu hören. Als er hochbetagt geworden und wegen Körperschwäche das Priorat nicht mehr verwalten konnte, vertauschte er die Thätigkeit der Martha mit der Ruhe der Maria; er gelobte nämlich Gott täglich den ganzen Psalter zu singen, und so ist er reich an Tugenden zum Herrn gewandert und in die Chöre der Heiligen eingetreten. Wie sein Landsmann Walther unserem Abt Heinrich und dieser mir erzählt hat, pflegte der Prior, als er sich nach der Auflösung sehnte, täglich zu beten: "Wann werde ich mit Christo sein?" (Philipp. I, 23). Da erwiderte ihm eine Stimme vom Himmel: "Deine Augen werden den König sehen in seiner Herrlichkeit." Als er starb, zeigte sich über dem Orte, wo er verschied, bei lichtem Tage ein glänzender Stern, der in der ganzen Landschaft gesehen wurde.
doi:10.7788/annalen-1891-jg10 fatcat:h6svfvmvwvgmfdr4skg442ts3e