Das Haus bei den Krobo (Westafrika): Soziologische und rituelle Aspekte

H. Huber
1963 Geographica Helvetica  
Die Krobo, mit einer Bevölkerungsziffer von ca. 100 000, sind die zahlenmäßig stärkste Adangme-Gruppe des südöstlichen Ghana. \ on den westlich und nördlich be¬ nachbarten Akan unterscheidet sie nicht nur die Sprache (in der Struktur ist sie zwar etwas verwandt, nicht aber, die Lehnworte ausgenommen, im Vokabular), sondern auch ritueller Brauch und das Prinzip der sozialen Gliederung. Die Krobo sind patrilinear; die Autorität lag früher vor allem in der Hand der Gruppenältesten und der
more » ... en und der Klanprie¬ ster; Knabenbeschneidung und eine religiös fundierte Mädcheninitiation sind ihnen von alters her rituelles Gesetz. Die Akan hingegen sind matrilinear; charakteristisch ist bei ihnen die traditionelle militärisch-politische Stellung des Häuptlings, sie kennen ur¬ sprünglich keine Beschneidung und eine Mädchenweihe nur in der einfachen Form einer Menstruationsfeier. Die östlich benachbarten Ewe hingegen stehen den Krobo, soziolo¬ gisch wie rituell gesehen, näher: in der Sprache, vor allem im Wortschatz, sind aber auch sie verschieden. Die Krobo scheinen von jeher leidenschaftliche Ackerbauern gewesen zu sein, wie schon ihre jährlichen, stark in der Tradition verankerten Hirsefeiern andeuten. Dies hat auch ihre Siedlungsgeschichte weithin bestimmt. Bis 1892, dem Jahr ihrer Vertreibung durch die Regierung, war ihnen der aus der Volta-Ebene emporragende Kroboberg Schutz und Heimat und Zentrum ihrer wichtigsten Riten und Zeremonien. Dort wohnten besonders ihre Alten, ferner ihre Mäd¬ chen während der Initiation und die übrigen Leute, wenn immer der religiöse Jahresbrauch, die
doi:10.5194/gh-18-278-1963 fatcat:q5w5vh6novaqbkru6munqstzpe