Ueber angeborene Halswirbelsäulenlordose1)

1910 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Stabsarzt im 3. Garde-Regiment zu Fuß. Mitte November wurde auf der mediko-mechanischen Station ein Pionier aufgenommen, der durch eigenartige Behinderung der Bewe gungen des Kopfes aufgefallen war und Zweifel an seiner Dienstfhigkeit erregt hatte. 24 jähriger Mann. Eltern und Geschwister sind gesund, er selbst ein Zangenkind. Er hat zur richtigen Zeit laufen gelernt, in der Schule den an ihn gestellten geistigen und körperlichen Anforderungen genügt. Als Kind wurde er von den Eltern ermahnt,
more » ... n Eltern ermahnt, den Kopf gerade zu halten". Bis zum zwölften Lebensjahr hat er das linke Bein leicht nachgezogen". Bei Katarrhen der oberen Luftwege leide er mitunter an geringen Atembeschwerden, aber nicht an Schlingbeschwerden, sei sonst ganz gesund. Kräftiger Mann. Von vorn (Fig. 1): Rechte Kopfhälfte nach rechts geneigt, rechte Gesichtshlf te schmiler, rechtes Ohr steht tiefer, linke Kinnliälfte höher als die rechte. Linkes Auge kleiner, liegt tiefer. Am linken ußeren Augenwinkel intra partum erworbene Narbe. Der Hals ist in der Mitte auffallend verbreitert, die breiteste Stelle entspricht der Mitte der Sternocleidomastoidei, die nach außen vorgebuchtet erscheinen. Dies beruht darauf, daß das Hinterhaupt ungewöhnlich tief steht und das Vorderhaupt dementsprechend höher, sodaß die Sterno-cleidomaBtoidei sich fast rechtwinklig nach vorn umbiegen müssen, um ihre Ansatzstellen zu erreichen Linke Brustwarze steht tiefer. Die Nackenschulterlinien verlaufen in ihrem medialen Teile abnorm steil und nach hinten. Vo n hinten: Haltung des Kopfes nach rechts noch deiitlicher, linke Schulter leicht gesenkt. Die Schulterblätter stehen vom Rumpfe ab. Die Gegend oberhalb des rechten Schulterblattes springt stärker hervor, ebenso der rechte Latissimus auf dem Schulterblatt als verdickter Wulst. Leichte, im wesentlichen linkskonvexe Skoliose der Brustwirbelsule, rechtskonvexe der Lendenwirbelsäule. Beim Betasten der Halswirbelsäule fällt der Finger dicht unterhalb des Hinterhauptes in eine Vertiefung, die nach unten zu von derVertebra prominens begrenriit wird; oberhalb dieser, aber bereits tiefer, d. h. nach vorne zu gelegen, fühlt man noch einen Dornfortsatz, den des sechsten Halswirbels, dann nur noch ein derbes, bandartiges Gebilde, das Ligamentum nuchae. Bei allen Bewegungen und Haltungsarten des Kopfes bleibt diese Ver-1) Vortrag in der Freien Vereinigung der Chirurgen Berlins 13. Dezember 1909. (Siehe die Diskussion in No. 11, S. 52g.) 1) Vortrag In der Freien Vereinigung der Chirurgen Berlins 13. Dezember 1909. (Siehe die Diskussion in No. II, S. 52g.)
doi:10.1055/s-0028-1142710 fatcat:lpn6jmm26nep5eyvvj4dzigaly