Was wissen die Meinungsführer? Die Validierung des Konstrukts Meinungsführerschaft im Hinblick auf die Variable Wissen

Sabine Trepte, Benjamin Boecking
2009 Medien & Kommunikationswissenschaft  
Meinungsführer sind in ihren sozialen Netzwerken einflussreicher als andere, und sie werden von anderen um Rat gefragt. Darüber hinaus wurde in der kommunikationswissenschaftlichen Forschung immer angenommen, dass Meinungsführer sich in ihrem Wissensgebiet besser auskennen als andere. Mit einer Laborstudie wird untersucht, wie viel die Meinungsführer tatsächlich wissen. 215 Probanden wurde unter Laborbedingungen ein objektiver Wissenstest und Skalen zur Meinungsführerschaft (Childers, 1986)
more » ... Childers, 1986) vorgelegt. Es zeigte sich wie erwartet, dass Meinungsführer nicht unbedingt mehr wissen als andere Personen. Mithilfe von Clusteranalysen wurden daraufhin wissende und unwissende Meinungsführer identifiziert. Darüber hinaus wurde untersucht, ob wissende und unwissende Meinungsführer sich hinsichtlich ihrer Mediennutzung unterscheiden. Vor allem die wissenden Meinungsführer nutzen mehr Printmedien. Die Ergebnisse legen eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Konstrukt Meinungsführerschaft nahe, denn nicht alle Meinungsführer wissen in dem Gebiet, zu dem sie Rat erteilen und um Rat gefragt werden, gut Bescheid. Schlüsselwörter: Meinungsführer, Wissen, Einfluss, Massenmedien, Multi-Step-Flow Wen fragen wir um Rat, wenn wir uns selbst nicht für kompetent halten, um politische Zusammenhänge zu beurteilen? Vermutlich eine Person, der wir unterstellen, dass sie über ein gutes politisches Wissen verfügt. Darüber hinaus spielen vermutlich die kommunikativen Kompetenzen eine Rolle. Beliebt sind Ratgeber, die politische Zusammenhänge gut erklären können und einen Blick für Wichtiges haben. In diesem Beitrag wird versucht, die theoretische Explikation des Wissens im Kontext des Meinungsführerkonzeptes näher aufzuschlüsseln. Der Beitrag geht den Fragen nach, was die Meinungsführer wissen und inwiefern die Vorhersage der Meinungsführerschaft anhand von Wissen und Mediennutzung möglich ist. Die Idee, dass bestimmte Personen von anderen um Rat gefragt werden und darüber hinaus gern Rat erteilen, wurde im Konzept der Meinungsführerschaft zusammengefasst, das 1944 von Lazarsfeld, Berelson und Gaudet im Kontext ihrer Wahlstudie "The People's Choice" entwickelt wurde. Die Autoren haben fast nebenbei herausgefunden, dass Medien nicht in jedem Fall als instruktiv wahrgenommen werden, wenn Wähler sich informieren, sondern dass sie die in Medien gewonnenen Informationen im persönlichen Gespräch vertiefen möchten. In ihren ersten Studien zur Meinungsführerschaft interessierte dementsprechend vor allem die Frage, welche Eigenschaften einen Menschen zum Meinungsführer oder zur Meinungsführerin qualifizieren. Katz (1957) stellte fest, dass Meinungsführer und ihre "Follower" sich anhand von drei Kriterien unterscheiden: (a) wer sie sind, (b) was sie wissen und (c) wen sie kennen. Die Autoren konstatierten: "It is evident, therefore, that subjective interest, or advanced knowledge, in the arena of public affairs -as in the other arenas -cannot operate independently to generate opinion leadership. Along with information and interest, there must be some objective 'enabling' factor, which makes it possible to translate subjective predispositions into the actual give-and-take of participation and leadership" (Katz & Lazarsfeld 1955: 275). Dieses Zitat verdeutlicht mehr als jede andere Textstelle aus der Literatur zur Mei-443 https://doi.
doi:10.5771/1615-634x-2009--443 fatcat:ienu52vlzbg25h5jfco4pyibdq