Joseph Hefner, Voten vom Trienter Konzil

Sebastian Merkle
1914 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Kanonistische Abteilung  
544 Literatur. bischöflichen Offiziale als iudices ordinarli bezeichnet, wie ich in meiner Abhandlung über die Offiziale der Bischöfe von Halberstadt im Mittelalter (1911) S. 93f. ausführlich dargelegt habe. Es ist daher unzutreffend, wenn D. sie auf S. 34 als ständige Delegaten des Bischofs aufführt. -Das allgemeine Konzil von Vienne erließ bemerkenswerte Vorschriften gegen die renitente Haltung der Ordensleute und die feindselige Stellung der Fürsten gegenüber dem Interdikt, die D. entgangen
more » ... , die D. entgangen zu sein scheinen. Vgl. cc. 1-3 Clem. I, 10. -Die in den Regesten Nr. 71, 81 und 85 genannten päpstlichen Auditoren sind korrekter als Auditoren der Rota zu bezeichnen. Unter den zur Verhängung des Interdikts berechtigten Rechtssubjekten wäre daher auch füglich der oberste kirchliche Gerichtshof der Römischen Rota zu nennen gewesen. Bonn. N. Hilling. Joseph Hefner, Voten vom Trienter Konzil. Würzburg, V. Bauch in Kommission 1912. 55 S. Der Titel paßt nur auf stark die Hälfte des Schriftchens, das einen Venetianer Druck vom Jahre 1548 teilweise wiederholt. Schon vorher hatte F. Lauchert (Italien. Gegner Luthers S. 444) auf diesen aufmerksam gemacht. Es handelt sich zunächst um zwei Originalvota, die Taddeo Cucchi, als Benediktiner Isidor Clarius (nach seinem Geburtsort Chiari bei Brescia) geheißen, am 13. u. 22. Juli 1546 auf dem Konzil von Trient, dem er als Abt anwohnte, vorgetragen und zwei Jahre später zusammen mit einem dritten, nie vorgetragenen, dem Druck übergeben hat. Sie waren Ehses in seiner Ausgabe der Konzilprotokolle (Concilium Tridentinum V, 1911) entgangen; er war aber inzwischen, noch vor H.s Publikation, auf sie wie auf anderes aufmerksam geworden und hatte die Absicht, sie im folgenden Bande mit anderen Nachträgen zu veröffentlichen. Natürlich muß und wird er dies trotz dem H.schen Drucke tun. Eine andere Bewandtnis hat es mit dem dritten Stück. H. sagt selbst (S. 4), daß immer einer der drei auf der Synode anwesenden Äbte im Namen aller sprach; die Akten wissen nichts von einem Votum Isidors vom 24. November oder 1. Dezember 1546 über iustitia imputativa, ja ein solches ist geradezu damit ausgeschlossen, daß am 23. XI. der Abt Luciano degli Ottoni im Namen seiner zwei Kollegen über jene Frage sich geäußert hatte; die Überschrift des fraglichen Stückes unterscheidet sich zudem von der der beiden ersten, die sich ausdrücklich als sententia dicta einführen, indem dieser Beisatz dort fehlt; H. selbst sieht den "einzigen Ausweg" (bei dem Schweigen der Akten) in der "Annahme, Clarius habe sein Votum schriftlich ausgearbeitet, aber dann wegen Unpäßlichkeit und dgl. nicht abgeben können", wofür die Analogie einer wegen Heiserkeit nicht gehaltenen Predigt des Bischofs von San Marco sprechen soll -und trotz alledem erscheint S.
doi:10.7767/zrgka.1914.4.1.544 fatcat:zx2q5uxc5jfatksmh32jm2lrx4