Die Greifschere, ein Beitrag zur Krankenpflege

Carl Moeller
1905 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Eine rn Netzhauterkraukung kideude Patientin klagte mir öfter ib, Leid, daß sie beim Bücken und Aufheben von kleinsten Gegenständen die unangenehmsten Empfindungen im Auge bekäme. Es sei ihr aber das Peinlichste neben diesen subjektiven Beschwerden, daß sie schon bei winzigen Handreichungen auf die Hilfe fremder Personen angewiesen wäre. Neben der Behandlung der Augensymptome suchte ich meiner Patienten Hilfe durch die Krankenpflege zu verschaffen. Die mir zugänglichen Kataloge verschiedener
more » ... ge verschiedener Firmen sah ich durch, weil ich glaubte, irgendwo ein [nstrument zu finden, mittels dessen es einer hilflosen Kranken möglich ware, leichte Gegenstände vom Fußboden aufzuheben. Mein Stichen war vergeblich. Ein selbst angestellter Versuch, mit einer langen Pinzette aus Holz kleine Gegenstände aufzuheben, erwies sich als unpraktisch. Diese lange Pinzette war wenig handlich, auch schwer von einem Kranken zu regieren. Ich kam dann auf die Idee, eine Schere nach Art der Péanschen Arterienklemme von einem hiesigen Tisch-lermeister2) anfertigen zu lassen. Dieser Versuch glückte zu meiner und der Patientin Zufriedenheit. Weil mittels einer Schere Gegenstände gegriffen und aufgehoben werden konnten, nannte ich diese Schere "Greifschere". Ich ließ sie aus Nußbaumholz herstellen und der bequemeren Reinigung wegen polieren. Zur Erhöhung der Handlichkeit mußte die Schere leicht sein, sie durfte das Gewicht von iSt) g nicht überschreiten. Für ungelenke, etwa rheumatisch veränderte Daumen und Zeigefinger mußten die Griffe der Schere leicht handlich und faßbar sein. Ich ließ darum die Griffe der Schere recht groß, bequem, gehörig abgerundet, nicht kantig herstellen. Dem Zwecke der Greifschere entsprechend, kleine Gegenstände vom Fußboden aufzuheben, mußte sie eine bestimmte Länge, etwa 75-80 cm haben, damit ein Kranker im Sitzen oder Stehen zur Erde langen konnte. Schließlich ließ ich der Greifschere am unteren Ende eine kolbige Verdickung geben, welche an der Innenseite eingekerbt wurde, damit kleine und glatte Gegenstände sowohl fest gefaßt als auch besonders festgehalten werden konnten. Die von mir beschriebene und bei verschiedenen Kranken in Gebrauch befindliche Greifschere hat ihren Zweck in jeder Weise erfüllt und genügt den an sie gestellten Anforderungen. Ich stehe darum nach längerer Prüfung der Greifschere nicht an, diese anderen Kollegen für manche Patienten zur Linderung der Beschwerden zu empfehlen. Es kämen in erster Linie Leute in Betracht, ) Tisch.lermelster Rill in Erkner. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1188438 fatcat:5nlzqat3wrautd6a7ublmufh2i