II. In den ban mit rechte komen

Karl Gottfried Hugelmann
1917 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Kanonistische Abteilung  
1 ) Der hier vorliegende Aufsatz ist der erste in einer Reihe "kanonistiseher Streifziige durch den Sachsenspiegel", die der Verfasser im Laufe der nächsten Jahre zu veröffentlichen hofft. Zeitschrift far Rechtsgeschichte. XXXVIII. Kan. Abt. vn. 8 Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 6/25/15 4:49 AM Vgl. vor allem A. Beres, Der Mißbrauch der geistlichen Amtsgewalt S. 37; E. Friedberg, Lehrbuch des katholischen und evangelischen
more » ... und evangelischen Kirchenrechts S. 324. Ähnlich früher auch Eichmann in seinem Buch Acht und Bann im Reichsrecht des Mittelalters, welches wichtiges Material für unsere Frage enthält, und auf welches wir wiederholt zurückkommen werden. In den ban mit rechte komen. 37 recht, die bürgerliche Ehre; d) (die Kehrseite von c) das Recht, das jemand anderen zu leisten hat, die rechtliche Leistung, die Verpflichtung. Dieser vielfach abgespalteten Grundbedeutung I (sie umfaßt eigentlich zwei grundverschiedene Begriffe, wie unser Wort "Recht") wird, ebenso wie bei Homeyer, eine zweite Grundbedeutung (II) gegenübergestellt: recht bedeutet a) Gericht (im allgemeinen), sowohl a) Hegung des Rechts, gerichtliches Verfahren, Rechtsgang, als ß) Befugnis, Gericht zu halten, Gerichtsbarkeit; b) das konkrete Gericht. Die dritte Grundbedeutung (III), Beweismittel, ist für uns ohne Belang. Es ergibt sich also, daß das Wort recht sowohl im Sinne von "Recht" als auch im Sinne von "Gericht" viel gebraucht wird, nur als eine Abschattung der ersten Bedeutung, und spärlich -unseres Erachtens sogar zweifelhaft 1 ) -belegt erscheint die Bedeutung "Richterspruch". Und Schiller-Lübben bemerken ausdrücklich, daß sich "die Begriffe I und II schwer auseinanderhalten lassen". Daß auch der Sachsenspiegel das Wort recht unzählige Male in jeder der beiden Bedeutungen gebraucht, steht außer Streit; es genüge ein Hinweis auf die lange Zitatenreihe bei Homeyer! Wie steht es aber mit der Formel "mit rechte" ? S chilier-Lübbe η s Wörterbuch verzeichnet hier allerdings vorwiegend 2 ) Beispiele, in denen diese Wortverbindung im Sinne von "auf gerichtlichem Weg" gebraucht wird. Immerhin finden wir auch ein Beispiel für die Bedeutung "rechtmäßig" aus einem klassischen niederdeutschen Literaturdenkmal. 3 ) Diesem Beispiel glauben wir gerade ') In den von Schiller-Lübben angeführten Wendungen recht wisen, rechtes vragen, rechtes gân to eneme -wo übrigens Recht überall als Objekt mit einem Verbum verbunden ist -scheint mir die Bedeutung Recht im materiellen Sinn näher zu liegen; denn gewiesen wird ganz bestimmt, was recht ist. das Recht, nicht der Spruch; und gefragt wird wohl auch darum, was Rechtens ist; höchstens bei der letzten Formel mag man die Bedeutung Richterspruch gelten lassen. Ein Beispiel für letztere Bedeutung in der Formel mit rechte finde ich bei Schiller-Lübben nicht; vgl. jedoch unten S. 38, 39 Anm. 1 und 40 Anm. 2. 2 ) Lüb. Chr. 2, 124 und 202; Brem. Stat. 450; Livi. Urk. Nr. 1520. Reinke de Vos. Vers 262 (im 3. Kapitel des 1. Buches): . Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 6/25/15 4:49 AM 1 ) Ich benutze die Ausgabe Francofurti ad Moenum 1570. 2 ) Zu c. 94 C. 11 q. 3 (einer Stelle avis den Enarrationes ad psalmos des heiligen Augustinus, wo betont wird, daß die Christen selbst dem Apostaten Julian gehorsam blieben, soweit seine Befehle nicht gegen das Gewissen verstießen) bemerkt die Glosse aufklärend, daß Julian nicht noniinatim excommunicato war. Vgl. mein Buch, Die deutsche Königswahl im corpus iuris canonici, S. 37. 3 ) Henricus de Segugio (Hostiensis) kommt als Zeuge für die zur Entstehungszeit des Sachsenspiegels herrschende Lehre wohl nicht mehr in Betracht. Übrigens ist auch er ein Anhänger der von Gandulphus, Johannes Teutonicus, Vincentius Hispanus, Innozenz III. und Bernhard von Botone vertretenen Lehre. Dies ergibt sich aus dem Zusammenhalt folgender Stellen seiner berühmten Summa aurea (ich benutze die Ausgabe Basileae 1573). Zu V 39 (nr. 11) betont unser Kanonist allerdings wiederholt, daß im allgemeinen die Wirkungen der iusta und der iniusta excommunicato gleich sind, so (Spalte 1515 und ähnlich 1517) mit folgenden Worten: Haec vero sunt de sententia iusta, et etiam iniusta,
doi:10.7767/zrgka.1917.7.1.33 fatcat:a7fzf6htl5g3vmdi5huphf2mmu