Elektrophysiologische Korrelate der Lese-Rechtschreibstörung - eine EEG-Studie [thesis]

Kilian Gust, Universität Ulm
2016
Bei der Lese-Rechtschreibstörung (LRS) handelt es sich um eine Teilleistungsstörung. Schwierigkeiten beim Lese- und Schreibprozess treten unabhängig von Leistungen in anderen schulischen Bereichen und der Intelligenz auf. Ihre Prävalenz wird im deutschen Sprachraum mit 4 - 7 % angegeben. Einer LRS können Störungen bzw. Defizite in verschiedenen Systemen der Sinnesverarbeitung zugrunde liegen. Defizite werden im auditiven System ebenso beobachtet wie im visuellen System; diese können sowohl
more » ... ert als auch in Kombination auftreten. Häufig assoziiert mit der Lese-Rechtschreibstörung ist eine verminderte phonologische Bewusstheit. Ziel dieser Studie war es, anhand einer großen homogenen Gruppe die Lese-Rechtschreibstörung sowohl auf Verhaltens- als auch auf elektrophysiologischer Ebene zu untersuchen. Neben dem CFT-1 zur Bestimmung der non-verbalen Intelligenz wurden mit dem SLRT das Lese-/Rechtschreibniveau und mittels des BAKO die Ebene der honologischen Bewusstheit untersucht. Mithilfe der Elektroenzephalographie und Bestimmung der Mismatch Negativity wurde die präattentive auditive Verarbeitung mit sprachlichen wie auch nicht-sprachlichen Stimuli an zwei Gruppen untersucht. Zum einen Kinder, welche eine reduzierte Leistung sowohl auf Lese-Rechtschreibebene als auch auf phonologischer Ebene aufwiesen, zum anderen unauffällige Kinder, welche als Kontrollgruppe dienten. Während sich bei den nicht-sprachlichen Stimuli keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen zeigten, so zeigten die Kinder der Defizitgruppe eine signifikant geringere Mismatch Negativity bei der Verwendungen von Sprachstimuli als die Kontrollgruppe. Der Vergleich der Verhaltensdaten mit den elektrophysiologischen Ergebnissen zeigt einen Zusammenhang zwischen sowohl der phonologischen als auch der Lese-Rechtschreibleistung und der Mismatch Negativity.
doi:10.18725/oparu-1638 fatcat:q7ymu2dnjbgzvhfprdpij22n64