Das mathematische Schaffen Rolf Nevanlinnas

Lars Ahlfors
1976 Annales Academiae Scientiarum Fennicae Series A I Mathematica  
Ich habe den ehrenvollen Auftrag bekommen, bei dieser Veranstaltung den Eröffnungsvortrag zu halten. Nichts könnte mir eine grössere n'reude bereiten, als unseren Ehrengast Professor Rolf Nevanlinna in dieser Umgebung zu begriissen, wo er so viele Jahre und ich eine kurze Zeit gewirkt haben. Das heurige Kolloquium ehrt ihn zu seinem achtzigsten Geburtstag. Wir freuen uns alle, dass seine Vitalität es ihm ermöglicht, ohne Spur des Alters in unserer Mitte zu sein. Der Ruhm unseres Gastes hat
more » ... res Gastes hat viele Griinde. Die X'unktionentheoretiker bewundern ihn, weil er besonders eben diese engere Disziplin von Grund aus erneuert hat. Nicht nur die Spezialisten, sondern alle Mathematiker der Welt erkennen ihn als eine der ganz wenigen Spitzenkapazitäten ihrer Wissenschaft an. Die Laien kennen Nevanlinna wegen seiner vielseitigen kulturellen Tåtigkeit in seiner Heimat und in der Schweiz und wegen seiner Bem,iihungen um die Beziehungen zwischen X'innland und der Schweiz. Das Kuratorium des Rolf Nevanlinna -Kolloquiums hat mich gebeten, meinen Vortrag so zu gestalten, dass auch Nicht-n'unktionentheoretiker ihm folgen können. Es ist freilich eine Tatsache, dass Nevanlinnas Produktion zu einem iiberwiegenden Teil, aber nicht ausschliesslich, auf dem Gebiet der X'unktionentheorie liegt, und vor allem ist es sein Einsatz auf diesem Gebiet, der seinen Namen so'bekannt gemacht hat, dass der Begriff Neva4linna-Theorie allen Mathematikern geläufig ist. Trotzdem hoffe ich dem Wunsch des Kuratoriums dadurch entgegenkommen zu können, dass ich hauptsåchlich iiber die Entstehung und Bedeutung der Nevanlinnaschen fd.een spreche, ohne auf technische Einzelheiten einzugehen. Mein Bestreben wird sein, womöglich diejenigen Pun-kte in Nevanlinnas Schaffen zu beleuchten, die es bewirkt haben, dass seine Ideen sofort * Eröffnungsvortrag dos achten Rolf Nevanlinna -Iiolloquiums in Ziirich am 6. Novembei i976. Lens Aru,rons Anklang gefunden haben und auch auf die Dauer nie an Wert verloren haben. Nicht alle gute Mathematik schlågt sofort an. Ich glaube, vieles, hångt von. der Persönlichkeit des Mathematikers ab. Solche Zige der Persönlicttkeit zeigen sich schon sehr friih, und wenn man nach den charakteridtischen Merkmalen sucht, Iohnt es sich am besten die Jugendarbeiten gena,u zu analysieren. fch meine, dass der Schliissel zum Erfolg fast immer schon in den friihesten Arbeiten vorhanden ist, wenn auch manchmal verborgen. Die fdeen brauchen Zeit, lum. reif zu werden, aber im Keim sind sie viel friiher da. Ich habe versucht, die ersten Arbeiten von Rolf Nevanlinna, und auch die von seinem Bruder X'rithiof, aus diesem Gesichtspunkte aus zu interpretieren. Aus Anlass dieses Vortrages habe ich
doi:10.5186/aasfm.1976.0203 fatcat:es22vz4em5a4riwisrinilyek4