Zur Chemie des wasserfreien Hydrazins V

Hans Bock
1962 Zeitschrift für Naturforschung. B, A journal of chemical sciences  
Die Bildung von Metallhydraziden aus Metallamiden oder Metallalkylen mit wasserfreiem Hydrazin ist als Säure/Base-Reaktion der im Hydrazin-System als Säure wirksamen N2H5+⃝-Ionen aufzufassen. Metallhydride sollten daher mit wasserfreiem Hydrazin ebenfalls Metallhydrazide ergeben: Die heterogene Reaktion mit Metallhydrid-Suspensionen in inerten Lösungsmitteln verlief jedoch langsam und unvollständig. Die homogene Reaktion mit dem in Tetrahydrofuran löslichen Aluminiumwasserstoff im Molverhältnis
more » ... ff im Molverhältnis 1 : 3 führte zu einem Produkt der Zusammensetzung Al (N2H3) 3. Aus der Lösung von Calciumboranat in Tetrahydrofuran fiel mit Hydrazin eine schwerlösliche Additions-Verbindung Ca (BH4)2·2 N2H4 · THF aus. Weitere Untersuchungen über die Bildung von Metallhydraziden ergaben: Die quantitative Verfolgung der Reaktion von Zinkdiäthyl mit wasserfreiem Hydrazin bewies, daß das in der Literatur beschriebene "Hydrazi-Zink" Zn(N2H2) ein Äthyl-zinkhydrazid (C2H5) Zn (N2H3) ist. Die analoge Magnesiumverbindung (C2H5) Mg (N2H3) wurde ebenfalls dargestellt. - Die Bildung von Natriumhydrazid aus Hydrazin und Natriumamid verläuft als Säure/Base-Reaktion. Dagegen ist die Bildung von Natriumhydrazid aus Hydrazin und Natriummetall eine Redox-Reaktion; als Reduktionsprodukt entsteht Ammoniak. - Versuche zur Isolierung eines Jod(+ 1) hydrazides J (N2H3) bei der Hydrazinolyse von Jodchlorid mißlangen; bereits bei -20°C entwickelte sich die berechnete Stickstoffmenge. Die beschriebenen Untersuchungen wurden in einer splittersicher abgeschlossenen Hochvakuum-Apparatur durchgeführt, da Metallhydrazide bei Berührung mit Luft explodieren.
doi:10.1515/znb-1962-0703 fatcat:ekwayz4cwnhq5d3apnnlh43kum