Ernst Mayer, Italienische Verfassungsgeschichte von der Gotenzeit bis zur Zunftherrschaft

Hans Niese
1911 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung  
Das läßt sich natürlich mit den Bd. I S. V angegebenen Gründen rechtfertigen. Immerhin hätte M. in dem sardinischen Material ebensoviele Parallelen gefunden wie in dem von ihm aus Istrien, Dalmatien und dem Orient herangezogenen. Die Leser dieser Zeitschrift möchte ich auf die treffliche Behandlung aufmerksam machen, die die sardinische Verfassung neuerdings gefunden hat durch Β es ta, La Sardegna medioevale. Palermo 1908. 09. -2 ) I 50-81. -3 ) Vom verfassungsrechtlichen Standpunkt neuerdings
more » ... ndpunkt neuerdings behandelt von: W. Schelb, Staatsverwaltung und Selbstverwaltung im Stadtstaat Bologna. Karlsruhe 1911. -4 ) I S. XXVII bis XLVIII. -5 ) S. XXXVI. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 5/23/15 5:22 PM finden außer der Stadtverfassung auch die Landgemeinde und das Bistum Platz. Vielleicht der entscheidenste Abschnitt ist der über standesgeschichtliche Probleme.') Denn er enthält das, was die Grundlage für die Durchführung des Gedankens von der Fortdauer der römischen Institutionen bilden muß, die Erörterung der Stellung der Römer im Langobardenreich. M. setzt nicht mit den Verhältnissen der späten Kaiserzeit ein, sondern mit den Freien der Langobarden. 2 ) Wie auf deutschem, so sind auch auf langobardischem Boden die Zeugnisse über die Gliederung der Freien schwer zu einem einigermaßen einheitlichen Bilde zu vereinigen. Den arimannus, exercitalis faßt auch M. zunächst als den Gemeinfreien 3 ), dem er für die spätere Zeit einen national-langobardischen Charakter abspricht. Der höchste Stand sind auch für M. die primi*); die nob il es unterscheidet er von ihnen. 6 ) Nun glaubt aber M. aus einer Reihe von Quellenstellen, in denen von liberi neben den arimanni die Rede ist, schließen zu sollen, daß arimanni auch eine höhere Schicht (arimanni im engeren Sinne) bedeuten könne. 6 ) Diese arimanni im engeren Sinne sind nach M. steuerfrei. Sie sind zugleich die Grundeigentümer, die herrschende Schicht der civitas, und dienen als Reiter.') Wegen der Steuerfreiheit werden die höheren arimanni mit jenen geburtsetändisch nicht abgeschlossenen 8 ) milites der späteren Zeit von M. gleichgesetzt 9 ), die ja allerdings ebenfalls steuerfrei waren. Durch das Mittelglied der milites werden dann schließlich auch noch die valvassores der Lombardei mit den arimanni im engeren Sinne gleichgesetzt. So ergibt sich für M. ein System ständischer Gliederung, das bis ins 12. Jahrhundert durchläuft und auf dem Gegensatz der arimanni im engeren Sinne zu den übrigen freien Bevölkerungselementen beruht. Von diesen Ausführungen am diskutabelsten ist die Bemerkung über die nobiles als eine von den primi einerseits, den Freien andererseits zu scheidende Klasse. 10 ) Die weitere Konstruktion ist kaum haltbar. Den Beweis dafür, daß arimannus je einen Nichtlangobarden bezeichnen könne, bleibt M. schuldig. 11 ) Des weiteren ist die rechtliche Scheidung zwischen arimanni im engeren und weiteren Sinne undurchführbar. Der Verfasser hat hier eine Entwicklung im Sinne, die Hartmann ") dahin bezeichnet, daß sich "ein Gegensatz zwischen Arimannen und anderen ') I. Buch, 1. Hauptstück: Die freien Leute (11-148). -«) § 1 (19-21). -3 ) S. 2. -4 ) S. 15 f. -5 ) Gegen Brunner und Schupfer S. 17 f. -·) S. 3 f. -') S. 4 f. -Unter den Zeugnissen fehlt Ratchis 4. 8 ) Hessel Bologna 276 f. -») S. 7 ff. -10 ) Allerdinge beruht das ' in N. 75-77 S. 18 f. für eine Scheidung der Langobarden in nobiles = milites, negotiatores = mediocres, rustici = responsales Beigebrachte wieder auf unrichtiger Quellendeutung: Es sind das römische Kategorien. -u ) S. 2 u ): Arimanni der Romagna brauchen doch keine Körner zu sein! N. 13 -15 beweisen nur, daß exercitalis in römischen, westgotischen und byzantinischen Quellen alle Wehrmänner bezeichnet. S. 28 2I> ) beweist nichts. Der S. 3 12 ) genannte Probatus (exercitalis) ist als Sohn des Mimpula schwerlich Römer. ->r ) Geschichte Italiens Π 2,52. Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXII. Genn. Abt. 24 Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 5/23/15 5:22 PM l ) Vgl. zuletzt ib. 245. -2 ) Auch hier sei an ein sardinisches Analogon erinnert : Besta II 18 ff. -3 ) M. S. 144 ff. -4 ) S. 148 ff. -8 ) S. 152 ff. -*) Hier ist freilich im einzelnen manches zu korrigieren. Daß die comités in den Einzelorten gewählte Beamte seien, ist unbewiesen; Ciccaglione S. 105 ff. spricht von ihrer Ernennung durch den dux. Die unhaltbare Behauptung, die iudices von Neapel seien curiales, wird 154 wiederholt. Vgl. oben S. 379 7 ). -') Dazu Lenel a. a. O. 260ff. und Entstehung der Vorherrschaft Venedigs S. 124 ff. -») S. 176 ff. 26*
doi:10.7767/zrgga.1911.32.1.365 fatcat:gp6whq4fhnhu7dbtlwcv5rnwoy