Genitaldeszensus, Teil 2: Chirurgische Behandlung

Daniel E. Passweg
2016 Swiss Medical Forum = Schweizerisches Medizin-Forum  
Bei der Wahl der chirurgischen Versorgungsart des Genitaldeszensus gilt es, ver schiedene Kriterien zu berücksichtigen. Von entscheidender Bedeutung ist dabei immer, die Patientin und ihre Wünsche miteinzubeziehen. Nachdem im ersten Teil dieses Beitrags die Abklärung und urogynäkologische Anatomie behandelt wurden, bietet dieser Artikel eine Übersicht über die chirurgischen Therapiemöglichkeiten des Genitaldeszensus. Operationstechniken Prinzipielles Bei der Deszensuschirurgie müssen die
more » ... e müssen die natürlichen Öffnungen und erwünschten Funktionen erhalten bleiben, was die Chirurgie kompliziert macht. Es gibt vaginale, offene, laparoskopische und roboter chirurgische Deszensusoperationen; es gibt Operatio nen mit und ohne Fremdmaterial. Die Wahl wird nach Beantwortung verschiedener Fragen getroffen: -Welches Kompartiment macht den Hauptteil des Deszensus aus und muss in erster Linie korrigiert werden? -Wie ist das Alter / die Komorbidität der Patientin? -Soll die Sexualfunktion optimal erhalten werden? -Handelt es sich um eine Primäroperation oder um eine Operation bei einem Rezidiv? Besteht der Wunsch nach Erhalten der Zervix oder des Uterus? -Lässt sich die Verwendung von Fremdmaterial (Netze) vermeiden? -Mit welchen Operationstechniken hat der Chirurg viel Erfahrung? Eine Korrektur von abdominal gilt als langfristig stabi ler, dafür ist sie aufwendiger, benötigt mehr Opera tionszeit, ist mit mehr Morbidität behaftet und teurer. Vaginale Operationen bleiben extraperitoneal, gehen schneller und haben eine tiefere Morbidität. Es besteht andererseits die Gefahr, die Vagina einzuengen; zudem sind die Langzeitresultate etwas schlechter [1]. Abdominale Operationen benötigen Fremdmaterial, die klassische vaginale Chirurgie rekonstruiert mit Eigengewebe. Kombinationspathologien beim Prolaps sind die Regel: Eine grosse Zystozele ist fast obligat mit einem gewis sen Verlust der apikalen Fixation vergesellschaftet [2]. Kombinationsoperationen sind darum häufig sinn voll. Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass sich mit der Eleva tion des Apex das vordere und/oder das hintere Kom partiment mit korrigieren lassen [3] und dass eine gleichzeitige Korrektur der apikalen Aufhängung bes sere Langzeitresultate ergibt [4].
doi:10.4414/smf.2016.02696 fatcat:jtbtgmtkzve67ng2a6dompzlje