[Zur Lehre von der Einkleidung.]

Ernst Mayer
1915 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung  
So oder so ist die Stelle ein entscheidender Beleg für die rechtliche Trennung der romanischen und germanischen Bevölkerung, für die Fortdauer der Kurialverfassung, für den Sinn von leudes als einer gehobenen germanischen Kriegerschicht -alles im 9. oder 10. Jahrhundert. Ich behalte mir vor, ausführlicher darauf zurückzukommen. Würzburg. Ernst Mayer. [Zur Lehre von der Einkleidung.] Die von mir aufgestellte Theorie der Einkleidung hängt letztlich davon ab, ob von Haus aus, wie Amira meint,
more » ... e Amira meint, lediglich der Stab als ein Zeichen der Wadiirung verwendet wird, andere Symbole später eingeschoben sind, oder ob, wie ich glaube, von vornherein alle Teile der Bekleidung eines Kriegers von einem Kontrahenten an den andern zur Bekleidung gegeben werden. Ferner kommt es darauf an, ob man annimmt, daß der Schuldner das Symbol dem Gläubiger und dieser dem Bürgen gibt, der es dann behält, oder ob man glaubt, daß der Bürge dem Gläubiger sofort das Symbol zurückgibt 1 ); ich habe Liutprand 36 im erstem Sinn gedeutet und auch der app. 4 zur 1. Baiuw., wo die vicessores -d. h. die Mittelleute, die Bürgen -vom Gläubiger die wadia erhalten, gehört nach meiner Meinung hierher. In Verfolg spanischer Studien ist es mir nun gelungen, eine Urkunde zu finden, welche meine beiden grundlegenden Annahmen auf das klarste belegt. Hier wie in so vielen anderen Beziehungen erweist sich das spanische Recht, das durch die arabische Invasion für viele Jahrhunderte auf der Stufe des beginnenden 8. Jahrhunderts, also einer Zeit, wo die germanischen Elemente trotz der l.Visigothorum noch überaus stark gewesen sein müssen, zurückgehalten wurde, als eine der wertvollsten Überlieferungen ursprünglichen Germanenrechts. Die Stelle steht in España sagrada XXXXIII, S. 456£f. 1128. Danach sehließt der gefangene Graf von Empurias mit dem Grafen von Barcelona einen Vertrag und verpflichtet sich: 1. sich von der Beschuldigung, die Treue gebrochen zu haben, zu reinigen oder 4000 solidi zu geben; dafür stellt er 3 obsides; 2. er verpflichtet sich, insgesamt 10000 solidi Wert in Pferden und Mauleseln oder statt dessen 8000 solidi lediglich in Geld zu geben. Das wird nun so ausgedrückt: et mittat corniti (dem Grafen von Barcelona) Pontius (der Graf von Empurias) dictus pro decern milia solides ensem cum toto suo guarnimento et comes comendet ipsam espadam cum isto guarnimento P[etro] Raymundi de villa de Man, qui eam teneat ab hoc Pascha usque ad aliud. Et si interim praedictus Pontius vel quandocumque usque ad praefatum terminum redimere eam voluerit, si dat corniti decern milia solidos in caballos et in mulos ad pretium de praefatis militibus reddat eam Meine Einkleidung S. 8 ff.
doi:10.7767/zrgga.1915.36.1.439 fatcat:evb2pn76hvbo7ekph6ttmodhtq