Der Roland von Ragusa

Paul Puntschart
1909 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung  
Der Roland ion Ragusa.] Eine Reise nach Dalmatien, auf welcher sich Gelegenheit bot, dieses Stadtaltertum an Ort und Stelle in Augenschein zu nehmen, war die Veranlassung, daß ich, schon seit einer Reihe von Jahren rechtsarchäologischen Gegenständen und Problemen lebhaftes Interesse entgegenbringend, mich über den Ragusäer Roland näher zu orientieren trachtete. In der deutschrechtlichen Literatur ist er nicht ganz unbeachtet geblieben. Bereits H. Zöpfl hatte in seinem Buch über die "
more » ... er die " Rulands-Säule " l ) auf ihn aufmerksam gemacht. Er nennt ihn einen .vollkommenen" Roland, berichtet, daß er auf einem Buche stehe, was vermutlich ausdrücken solle, daß die Gerechtigkeit auf dem Boden des Gesetzes fußen müsse, und bemerkt, daß das Bildnis "ganz den Typus der Rulands-Säulen trägt, denselben Namen führt und derselben rechtsgeschichtlichen Idee zum Ausdrucke zu dienen scheint". Einem belletristischen Blatte entnahm Zöpfl eine Mitteilung darüber, welche unter anderem besagt, daß das Volk von Ragusa von der Bedeutung dieser Säule, die es für ein Sinnbild der Selbständigkeit und der freien Banngerichtsbarkeit der Stadt halte, das gleiche erzähle und glaube, wie die Bürger von Bremen von der Bedeutung ihres Roland. Ebenso ist in der neueren deutschrechtlichen Roland-Literatur von dem steinernen Recken in Ragusa die Rede, aber in anderem Sinne. R. Schröder 5 ) erwähnt ihn. G. Sello 3 ) bringt das Standbild in Verbindung mit dem sagenberühmten Paladin Karls d. Gr. und betont seine Verwandtschaft mit der Statue dieses Helden am Dom zu Verona. Bild und Name seien dort unbedingt auf italienischen, nicht etwa auf deutschen Einfluß zurückzuführen. Abgesehen von solchen gelegentlichen kurzen Bemerkungen und Hinweisen entbehrt jedoch unsere Fachliteratur, soviel ich sehe, noch einer etwas eingehenderen Erörterung der Sache; insbesondere finden sich da die Haltpunkte nirgends zusammengestellt, welche die Idee dieses Roland erschließen lassen. Vielmehr stammt die Hauptpublikation über ihn von W. Böheim, der Militär war und seine Arbeit in einer Zeit-') Altertümer des deutschen Reichs und Rechts III (1861) S. 16, 55, 311. -2 ) Die Stellung der Rolandssäulen in der Rechtsgeschichte S. 3, in der von R. Béringuier herausgegebenen Festschrift "Die Rolande Deutschlands" Berlin 1890. -3 ) Der Roland zu Bremen (1901) S. 57 Anm. 61, S. 23; Zu Schutz und Trutz am 500jährigen Jubiläum des Roland zu Bremen (1904) S. 68 Anm. 119. Brought to you by | provisional account Unauthenticated Download Date | 6/10/15 8:09 AM
doi:10.7767/zrgga.1909.30.1.299 fatcat:sejs77kunbeojbwsithbx2bgx4