Die Bedeutung des Pfannenstielschen Fascienquerschnittes1)

V. Zimmermann
1908 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Frauenarzt in Duisburg. M. H.! Ihnen allen sind die Nachteile, die eine Laparotomie mit Längssohnitt in der Mittellinie für die Trägerin der Narbe auch nach glinstigstem Ausgang der Operation haben kann, bekannt; ich meine hier vor allem die Folgen der Narbendehiszenz: die Hernienbildung. Selbst bei tadellosestem Verlauf beobachtet man in etwa 8 °/ der per primam geheilten Fälle Hernien ; von den per secundam geheilten weisen 81 O/ Hernien auf! (Abel.) Und zu welcherQuelle von Beschwerden
more » ... n Beschwerden können diese Operationshernien werden ! Wie wird durch dieselben die Erwerbsfähigkeit der arbeitenden Klasse beeinträchtigt, und was nützt der das Leben, wenn es nicht durch-Arbeit erhalten werden kann! All die Bestrebungen, dieser Gefahr der Hernienbildung aus dem Wege zu gehen und doch die Vorteile des Medianschnittes beizubehalten, führten nicht zum gewünschten Ziele; die Lateraischnitte, die den Muskel scharf durchtrennen, zerstören die ihn ernithrenden Nerven und führen zur Atrophie; der Lennandersohe Schnitt, der nur die Reetusscheide scharf durchtrennt und den Rectus zur Seite schiebt -noch der beste von allen -schafft zu wenig Uebersicht über die der Schnittseite nicht entsprechende Beckenhälftc und fällt wie alle Längsschnitte nicht in die Langerschen Linien; der große Bardenheuersche Querschnitt, der alle Schichten quer durchtrennt, ist seiner bekannten Nachteile wegen vom Autor selbst so gut wie verlassen; der Riedelsche Ziokzacksehnitt kommt nur für die Appendektomie in Frage; der Küstner-Rapinsche Kreuzschnitt endlich, der Vorläufer des Pfannenstielschen Schnittes, der nur die Haut quer, alle anderen Schichten längs durchtrennt, schafft zu wenig Raum und hat die Nachteile des Medianschnittes, denn die Hautplatte allein gibt keinen genügenden Halt für die auseinanderdrängende Fascie. Anders der Pfannenstielsche Fascienquerschnitt. Er vereinigt die Vorztige des alten klassischen Längsschnittes mit den Vorteilen der Querschnitte. Das Prinzip des Pfannenstielschen Schnittes ist folgendes: Ein Querschnitt in der Haargrenze, bei größeren Eingriffen ein etwas höher oben, in der sich hier konstant vorfindenden Hautfalte, verlaufender Bogenschnitt durchtrennt Haut und Unterhautzellgewebe; dann wird die Fascie ebenfalls quer gespalten und in Lappenform nach oben und unten abpräpariert und mit starken Fadenzilgeln auf die äußere Bauchhaut unter möglichster Spannung aufgenäht; die Mm. recti, welche jetzt nur noch durch ein zartes Gewebe miteinander verbunden sind, werden längs getrennt, ebenso die tiefe dünne Fascia transversa und das Bauchfell; setzt man jetzt ein stark gefedertes, selbsthaltendes Speculum ein und spreizt, so erhält man einen ovalen, mit der Spitze nach oben gestellten, geräumigen Zugang zum gynäkologischen Operationsgebiet, der eine ganz vorzügliche Uebersicht über die Seiten des kleinen Beckens und eine genügende in die Ileocöcalgegend gewährt (näheres über die spezielle Technik siehe später). Die Vorzüge des Fascienquerschnittes sind folgende: Der Schnitt fällt entweder in die Haargrenze oder aber in die natürliche Hautfalte oberhalb der Symphyse; er läuft parallel den Langerschen Spaltrichtungen der Haut, untersteht keiner Spannung; die Narbe zeigt keine Neigung zur kallösen Verdickung und wenig zur Pigmentbildung, Wie die elastischen Fasern der Haut quer verlaufen, so verläuft auch die Zugrichtung der Bauchmuskeln 1) Vortrag, gehalten in der wissenschaftlichen Wanderversatnnilung der Aerzte. vereine Duisburg, Ruhrort, Mülheim, Oberhausen. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1135646 fatcat:42e7kxpqsjh5pl5kdd5idi7tca