Vitaly Gorokhov - Ein Brückenbauer

Armin Grunwald
2016 TATuP - Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis  
Im September 2016 ist Prof. Dr. Vitaly Gorokhov nach schwerer Krankheit im Alter von 69 Jahren verstorben. Er war über lange Zeit eng mit dem ITAS verbunden: zunächst als Leiter des deutsch-russischen Kollegs an der damaligen Universität Karlsruhe, dann als Gastwissenschaftler und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter bis zu seinem Ruhestand. Vitaly Gorokhov ist vor allem als Architekt der deutsch-russischen Kooperation in der Technikfolgenabschätzung und verwandten Bereichen
more » ... chen hervorgetreten, die das ITAS nun bereits seit etwa 15 Jahren unterhält. Als Professor an der Philosophischen Fakultät der renommierten Lomonossow-Universität in Moskau und als leitender Wissenschaftler im Institut für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften war er der geborene Brückenbauer zwischen den doch recht unterschiedlichen Welten -und er hat diese Rolle meisterhaft ausgefüllt. So hat er ein internationales Zentrum für Technikphilosophie und Technikfolgenabschätzung an der Russischen Akademie der Wissenschaften gegründet. Vitaly Gorokhov hat die TA auch über Moskau hinaus in Russland bekannt gemacht, etwa in Yoshkar-Ola, in Dubna und in Tomsk. Er hat stets unermüdlich und erfinderisch Schneisen für erfolgreiche Kooperationen zwischen dem ITAS und russischen Wissenschaftseinrichtungen geschlagen. Die wissenschaftliche Arbeit von Vitaly Gorokhov in der Forschung fokussiert vor allem auf zwei Schwerpunkte: • einen stärker historisch orientierten, in dem er sich mit der Herausbildung der Technikphilosophie und der entsprechenden Techniktheorien in Deutschland und Russland beschäftigt, aber auch z.B. mit viel beachteten Arbeiten zu Galileo Galilei, und • einen theoriezentrierten, bei der in der Verschränkung von Wissenschaft und Technik ein neuer Typ wissenschaftlicher Forschung entsteht -die Technoscience -, die sowohl neue epistemologische als auch ethische Fragen und damit verbundene Herausforderungen an TA mit sich bringt.
doi:10.14512/tatup.25.3.73 fatcat:ls26vgmp55ccrceioqlwh54h4a