Studien zum dorischen Antentempel

Hans Riemann
2021
Der Oikos und der Antentempel sind die urspriinglichen Erscheinungsformen des griechischen Tempels gewesen. Als dieser durch die Hinzufiigung einer Ringhalle monumentalisiert wurde, geriet der Kernbau in formale Abhangigkeit von der Peristasis, mit der er durch die Pterondecke verbunden war; deren Hohenlage bestimmte die AufriBproportion der Cellafront. Die proportionale Aufgliederung der Ringhallenfront hatte seitdem das unbedingte kiinstlerische Primat vor der Gestaltung der Cellafront. Der
more » ... r Cellafront. Der Anten tempel wurde nun die iibliche Form fur das Schatzhaus und erst in hellenistischer Zeit, als man sehr viele Tempel von maBiger GroBe errichtete, wieder haufiger im urspriinglichen Sinne verwendet. Der dorische Antentempel tritt auf der Schatzhausterrasse von Olympia in dicht gedrangter Reihung auf. Das unmittelbare Nebeneinander lieB den groBten Teil der Rauten nur frontal zur Wirkung kommen, nicht als kubische Raukbrper. Man konnte sich daher darauf beschranken, nur die Fronten kiinstlerisch durchzuarbeiten; die riickwartige Ausdehnung war beliebig und hing vom Raumbedarf ab. Da die Thesauroi zu sehr verschiedener Zeit entstanden sind und sich so die Liicken zwischen den Bauten erst allmahlich fiillten, war bei einigen wenigen Bauten das Triglyphon auf alien Seiten herumgefiihrt, so bei dem am Anfang der Reihe gelegenen Schatzhaus der Sikyonier. In Delphoi dagegen lagen die Schatzhauser vereinzelt und exponiert, und dort ist die Herumfuhrung des Triglyphons und damit die strenge Durchproportionierung des ganzen Baukorpers die Regel. Die wichtigsten Aussagen sindvomTriglyphenfrieszuerwarten. Er kann unabhangig vom Vorhallenjoch entworfen sein, wie beim Schatzhaus der Athener im Apollonbezirk von Delphoi, in der Regel aber wird er mit dem Vorhallenjoch ubereinstimmen. Wir sind daran interessiert zu wissen, in welchem Verhaltnis Triglyphe und Metope zueinander stehen, ob das gleiche Verhaltnis an der Front und auf der Langseite durchgefiihrt ist, ob die MaBe an der Front gleichmaBig durchgefiihrt
doi:10.11588/bjb.1961.1.80791 fatcat:i6uryhbwhfdnlh52tpe63uaxzu