A. Haase: Schlesiens Landwirtschaft

Hans-Heinrich Herlemann
1984
Besprechungen und Anzeigen 93 bracht werden. Die Wasserpolaken sollen nicht etwa deutsch redende Slawen, sondern völlig Deutsche werden im Denken, Empfinden und Handeln" (Bd. 3, S. 74). Die vielen historischen Daten, die Sch. vermittelt, haben, zu einem großen Teil auch heute noch Gültigkeit. Aber dies ist der Bereich, dem man verständlicherweise am meisten mit einer gewissen Vorsicht begegnen muß: die Geschichtsforschung hat im letzten Jahrhundert große Fortschritte gemacht, manche
more » ... manche Feststellungen Sch.s könnten daher überholt sein. Man wird jedoch sein Werk nicht in erster Linie als Geschichtsbuch benutzen wollen. Die Gliederung des Werkes folgt geographischen Gesichtspunkten. Band 1 behandelt die Gebirgslandschaften: das Gesenke, die Grafschaft Glatz, das Waldenburger Bergland, das Riesengebirge sowie das Isergebirge und das Lausitzer Gebirge, wobei das letzte Kapitel dem Tal der Lausitzer Neiße schon in die Ebene bis Muskau folgt. Band 2 schildert das übrige Mittel-und Niederschlesien, mit Ausnahme des Oderlandes: das Bober-und Katzbachtal, das "schlesische Schlachtfeld" (die schlachtenreiche Gegend um Liegnitz; hier wird das heute als legendär erkannte "Gefecht bei Rotkirch 1209" zwischen den Söhnen Herzog Heinrichs I. -Heinrich und Konrad -noch als wahre Begebenheit und als "Sieg des Deutschtums" in Schlesien betrachtet, S. 93) und die Stadt Liegnitz, die "mittelschlesische oder zentrale Ackerebene" sowie "Breslau und seine Umgebung" (dieses Kapitel ist besonders ausführlich: S. 280-410). Band 3 ist vor allem Oberschlesien und dem Odertal vom Oberlauf bis zur brandenburgischen Grenze gewidmet. Den Abschluß des Bandes bilden zwei sprachlich-volkskundlich orientierte Kapitel: "Die schlesische Mundart" (S. 215-232, mit Textproben) und "Die Jahresgebräuche der schlesischen Bauern" (S. 233-415). Sch. bietet die "Schilderung des Schlesierlandes" in der Form einer "Wanderung" durch das Land dar; er verweilt länger bei den Orten, über die Interessantes auszusagen ist: zu Geschichte, Bauten, Wirtschaft und Verkehr, Bevölkerung, Brauchtum; auch Sagen und "Kuriositäten" hat er berücksichtigt (vgl. Bd. 1, S. 5). Seine lebensvolle Darstellung läßt erkennen, daß er das Land selber bereist und dabei seine wichtigsten Materialien gesammelt hat. Gelegentlich werden Literaturhinweise gebracht. Man vermißt eine Karte Schlesiens. Sie hätte dem Nachdruck ebenso hinzugefügt werden können wie ein Vorwort, in dem der Standort und der Stellenwert des Werkes in der landeskundlichen Literatur Schlesiens hätten bestimmt werden sollen. Es fehlen auch Register; aber das ziemlich ausführliche Inhaltsverzeichnis ermöglicht doch das Auffinden gesuchter Orte. Marburg a. d. Lahn Hugo Weczerka
doi:10.25627/19843314513 fatcat:76stiz3szjgpdpytsddreg4cvm