Selektive Kariesentfernung [article]

Falk Schwendicke, Universitätsbibliothek Der FU Berlin, Universitätsbibliothek Der FU Berlin
2015
Das veränderte Verständnis von Karies spiegelt sich auch in einem veränderten Therapiekonzept wider: Statt einer rein symptomatischen Entfernung der kariösen Läsion wird vielmehr versucht, die Zusammensetzung und die metabolische Aktivität des dentalen Biofilms als Ursache der Erkrankung zu kontrollieren. Für tiefe Läsionen wird daher weniger auf eine vollständige Ausräumung des infizierten Dentins abgezielt, die wahrscheinlich durch Exkavation ohnehin nicht erreicht werden kann, sondern auf
more » ... e Kontrolle der Aktivität der Läsion. Dabei wird auf das Prinzip der Versiegelung der im Dentin verbleibenden Mikroorganismen zurückgegriffen: Versiegelte Bakterien sind von der Zufuhr mit Kohlenhydraten abgeschnitten, wodurch die Läsion inaktiviert wird. Der klassischen vollständigen Exkavation werden demnach Konzepte gegenübergestellt, die bewusst demineralisiertes bzw. infiziertes Dentin zeitweise oder dauerhaft unter einer Restauration belassen. Da bei letzterem Konzept in der Peripherie der Kavität andere (traditionelle) Exkavationskriterien als in Pulpanähe genutzt werden, wurde in der vorliegenden Arbeit der Begriff der selektiven Kariesexkavation zur Bezeichnung dieser Exkavationsstrategie genutzt. Die Wirksamkeit der selektiven Kariesexkavation und die möglichen positiven Langzeitfolgen sowie das gegenüber alternativen Exkavationsstrategien vorteilhafte Kosten- Wirksamkeits-Verhältnis wurden durch die durchgeführten Studien belegt. Bisher liegen jedoch wenige Studien mit patienten-zentrierten Ergebnissen vor, und vor allem die Umsetzung in der allgemeinzahnärztlichen Praxis ist nicht gegeben. Dafür sind Zweifel an der Arretierbarkeit kavitierter Läsionen und an der Stabilität und Integrität der Restauration verantwortlich, zudem herrscht Unsicherheit über den Umgang mit der röntgenologischen Sichtbarkeit von unter einer Restauration belassenen kariösen Läsionen: Diese könnten von anderen, nicht mit dem Verfahren der selektiven Exkavation vertrauten Zahnärzten als Behandlungsfehler angesehen und unnötigerweise nach [...]
doi:10.17169/refubium-15696 fatcat:t5v6ve4ov5dujf2j5xeht245gy