Teil II: Gegenwärtige sozialpolitische Fragen im Lichte der Dialektik der Angewiesenheit [chapter]

2020 Die Dialektik der Angewiesenheit  
Die kapitalistische Welt hat sich im Beginn des 21. Jahrhunderts auf der einen Seite radikal verändert, auf der anderen Seite ist sie in Grundzügen gleich geblieben. Der Kapitalismus betrachtet Menschen weiterhin als Ware. Er musste zwar das Soziale integrieren, aber versucht es weiterhin abzuweisen. Dieser Grundkonflikt hat sich in den Sozialstaat verlagert, in dem das Sozialpolitische seine Institutionalisierung gefunden hat. Die ökonomische Globalisierung hat das Prinzip des
more » ... es Sozialpolitischen geschwächt, den Sozialstaat in einen Spagat zu Ungunsten des Sozialen gezwungen. Dennoch bricht der Grundkonflikt in zentralen gesellschaftlichen Problemen wieder auf. Auch der Charakter der sozialen Bewegungen hat sich gegenüber der Heimannschen Theorie, was ihren Wirkungskreis und ihre Träger betrifft, deutlich verändert. Gleich geblieben ist aber, dass auch die neuen sozialen Bewegungen der sozialen -heute vor allem auch sozialökologischen -Idee soziale Gestalt geben. Der Sozialstaatskompromiss ist schon in der Weimarer Republik in den Mittelpunkt der Sozialpolitik gerückt. Die sozialpolitische Dialektik verliert ihre Bewegungsdynamik und weicht dem institutionalisierten Komplex einer regulativen Staatstätigkeit, die beide Seiten des ökonomisch-gesellschaftlichen Konflikts bedienen und befrieden muss. Der nationale Sozialstaat muss gleichzeitig die infrastrukturellen Bedingungen des ökonomischen Wachstums wie die der sozialen Sicherung und Wohlfahrt der Menschen schaffen können. Er ist nun Institution der Vermittlung im Spannungsfeld der gegenseitigen Abhängig-
doi:10.14361/9783839452714-003 fatcat:ya5sc27phzdu3eulwtfxqzrvaa