Dermatol zur Nachbehandlung nach galvanokaustischen Operationen in der Nase

Ed. Aronsohn
1892 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Zu den häufigeren Operationen der ithinologen gehört seit der Entdeckung des Cocains die Anwendung der Galvanohaustik zur Entfernung voll Polypen, polypösen Excrescenzen, Spinae und Cristae septi, zur Verkleinerung hypertrophirter Muscheln etc. Manche Autoren wollen selbst bemerkt haben, dass diese Operationen öfter ausgeführt werden, als es die Beschwerden des Patienten oder der pathologische Befund erheischen. Solche Bemerkungen, die in letzter Zeit namentlich auf amerikanischen
more » ... sen, aber auch in Deutschland (Lueae) gemacht sind, scheinen mir wenig angebracht. Welchem Chirurgen ist nicht schon -leise oder laut der Vorwurf gemacht worden, dass er zu schnell mit dem Messer bei der iland sei", wie schwer ist es nicht, in jedem einzelnen Falle genau zu bestimmen, ob es besser wäre, sogleich die Operation auszuffihren, oder noch mit derselben zu warten, wer weiss es schliesslich nicht, dass manche Patienten schon bei geringen pathologischen Veränderungen so lebhafte Beschwerden haben, dass sie eine radicale Operation einer längeren Behandlung mit Palliativmitteln vorziehen? Auch wenn die Operation gelegentlich einmal den gewiinschten Erfolg nicht gebracht haben sollte, so kann sie deswegen doch a priori als die aussichtsreichste Behandlungsmethode erschienen sein. Die Vortheile, welche die Galvanokaustik vor anderen Kausticis hat, brauchen nicht mehr beleuchtet zu werden; aber das muss doch hervorgehoben werden, dass, wenn auch der Patient den Eingriff, den er wegen des Cocains nicht gefühlt hat, als Operation nicht gelten lassen will , doch immerhin fir den Arzt kein Grund vorliegt, die gesetzte Brandwunde so gering zu schhtzen, dass er den Patienten ohne weiteres entliisst und vielleicht noch mit dem Rathe versieht, sich nach acht Tagen noch einmal vorzustellen. Der praktische Arzt wird, selbst wenn er einen Senfteig auf die äussere Haut gesetzt hat, es noch für seine Pflicht halten, am nächsten Tage die Brandblase zu besichtigen und zu versorgen, um wie viel mehr sollte man meinen, müsste eine Brandwunde in der Nase beachtet werden, welche ja an sich schon so empfindlich und refiexreich, noch in so naher Verbindung mit der Schädelhöhle, dem inneren Gehörgange, der Kieferhöhle steht, ein Tummelplatz der Bacterien und ein bekannter Ausgangspunkt einer gefürchteten Infectionskrankheit, des Erysipels, Ist. Man könnte von einer Nachbehandlung nur dann abstehen, wenn wirklich gar keine Störungen und Belästigungen nach der Opera(ion eintreten würden. Dem ist aber nicht so. Gleich nach der Operation stellt sich "ein Schnupfen" ein, die Nase iluft, an der operirten Stelle beginnt eine reactive Schwellung, die Nase ist verstopft, Patient muss durch den Mund athmen und klagt meist 24-36 Stunden über Kopfschmerzen und schlechten Schlaf. Das sind die gewöhnlichen Folgen. die ich beobachtet habe. Andere Autoren, in letzter Zeit Krakaue r1) und Treitel2) in Berlin und 11es si er3) in Halle a. S., wissen noch von stärkeren Folgeerscheinungen zu berichten, von Erbrechen, Ohnmacht, Angina lacunaris und Angina der Rachentonsille, acutem und subacutem Mittelohrkatarrb, Enlzündung und Perforation des Trommelfelles, Entzündung des Warzenfortsatzes, Erysipelas faeiei (Vo ito! ini, Krak au er, Hess! er), allgemeiner Eiterinfection (Krak au er), Conjunctivitis und vorlibergehender Amauiose (A. Rosenberg), ja jüngst ist auch ein Fall mitgetheilt, wo nach einer galvanokaustischen Operation der mittleren Muschel Meningitis und Tod eingetreten war (Quinlan). Die schweren Reactionserscheinungen sind allerdings auffallend selten, kommen übrigens wie nach der Galvanokaustik auch nach anderen Iausticis vor (ilessler), und mit Recht hebt P. lleymann4) hervor, dass es leicht geschehen kann, dass Eingriffe, die post hoc eintreten, auf vorangegangene Eingriffe in der Nase bezogen werden. Ein Hauptaugenmerk ist aber auch darauf zu richten, dass sich nach der Operation keine Verwachsungen bilden, die doch in den meisten Fällen nur ein unliebsames Zeichen einer vernachlässigten Nachbehandlung sind. Unbeabsichtigte Epithelabschiirferungen der gegenüberliegenden gesunden Seite mögen jetzt, wie B. Fränk el°) meint, in der Zeit des Cocains seltener geworden sein, sie sind aber doch nicht immer absolut zu vermeiden und können schon beim Sondiren oder energischen Cocainisiren verursacht sein. Besteht gar ausser dem zu entfernenden pathologischen Producte noch ein chronischer Katarrh, so darf man erst recht darauf rechnen, dass einzelne Punkte der Nasenschleimhaut durch eine oder die andere zufällige Ursache in mehr weniger wahrnehmbarer Weise des Epithels entblösst sein wird. So lcoinmt es, class die Neigung zu Verwachsungen nach operativen Eingriffen besonders bei engen Nasen eine grosse ist, und dass Krakauer, Ueber intranasale Synechien und deren Bedeutung. Verhandi. der Laryngolog. Gesellschaft za Berlin, 21. Juni 1889. Treitel, Die Reactionserscheinungen nach Operationen in der Nase. Verhandl. der Laryngolog. Gesellschaft zu Berlin, 22. Nov. 1889. Hessler, Affectionen des Ohres nach einfachen Operationen in der Nase. Münchener med. Wochenschr. 15. Dee. 1891. P. Heymann, Verhandlungen der Laryngologischen Gesellschaft Bd. J. p. 32. B. Fränkel, Die rbino-laryngologischen Operationen in der Aera des Cocains. Vortrag auf der 69. Versammlung deutscher Naturforscher. und Aerzte. Deutsche med. Wochenschr. 1889 No. 51. es bei ungenügender Behandlung in einer beträchtlichen Zahl von Fällen zu soliden Verwachsungen kommt, hat die Discussion über den erwähnten Vortrag des Herrn Krakauer in der Berliner laryngologischen Gesellschaft gezeigt. Wer erst einschreiten will, wenn Verwachsungen drohen, der bereitet sich und dem Patienten doppelte Mühe. Als ich noch auf der B. Fränkel'schen Klinik arbeitete, wurde ich verhältnissmässig oft damit betraut, Tampons in galvanokauterisirte Nasen einzuführen, weil Verwachsungen befürchtet wurden. Das Einführen des Tampons aus Gaze oder Zinnfolie, metallenen Boizen, Cartonstückchen, Tafelblech (Kitchen) etc. ist aber dem Patienten häufig lästiger, als die Operation selbst, und mehrere Tage mit einem Tampon in der Nase herumzulaufen, ist gewiss auch nicht sehr angenehm. (Schluss folgt.) -Niececi empfiehlt das Argentum nitricurn bei Icterus catarrlialls. Es beseitigt in kurzer Zeit die Krankheitserscheinungen und führt eine äusserst rasche Heilung herbei. Er verordnet: Arg. nitric. 0,06, Aqu. destillat. 180,0, in 24 Stunden 3-4 Esslöffel voll zu nehmen.
doi:10.1055/s-0029-1199296 fatcat:5ny5wqirjbagpe3zj3ez6awwty