IV. Wissenschaftstypen als Tiefenstruktur interdisziplinärer Zusammenarbeit [chapter]

2022 Einführung in die Wissenschaften  
Die Gegenstände, die unter einen Begriff fallen, sind nicht durch Eigenschaften verbunden, die allen gemeinsam wären, sondern durch ein Netz von ›Fa-milienähnlichkeiten‹. Das war die Einsicht, mit der Ludwig Wittgenstein das Begriffsdenken im 20. Jahrhundert revolutionierte. Damit etwas z.B. Spiel heißen kann, muss es nicht bestimmte allgemeine Eigenschaften aufweisen (z.B., dass man um den Sieg spielt oder mit anderen), sondern nur hinreichend viele Gemeinsamkeiten mit einem Fall, der als
more » ... gilt. So können wie bei einem Tau, durch das sich kein einziger durchgängiger Faden durchzieht, aber jeder jeweils andere streckenweise übergreift, Phänomene unter einen Begriff fallen, die nur über Zwischenglieder mit anderen verbunden sind. 1 Mit dieser Auffassung vom Begriff lässt sich auch das Problem der Einheit und Vielheit in den Wissenschaften auf lösen. Wissenschaft lässt sich so verstehen als eine Familie von Fällen mit unterschiedlichen, einander teils mehr, teils weniger überlappenden Ähnlichkeiten. Die Wissenschaftstypen zeigen sich durch unterschiedliche Verwandtschaften miteinander verknüpft. Unter dem einen oder anderen Gesichtspunkt kann der eine oder andere Typus als prototypisch erscheinen -jedoch: diese Gesichtspunkte lassen sich wechseln, sodass das Gesamtbild sich jeweils umstellt. Im Wech-
doi:10.1515/9783839459706-006 fatcat:3ie6tesk25gj3amgyc5ummzyfy