Adler, Freud und der Schullehrer

Hans Zulliger
1931
Nutzungsbedingungen Die ETH-Bibliothek ist Anbieterin der digitalisierten Zeitschriften. Sie besitzt keine Urheberrechte an den Inhalten der Zeitschriften. Die Rechte liegen in der Regel bei den Herausgebern. Die auf der Plattform e-periodica veröffentlichten Dokumente stehen für nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie für die private Nutzung frei zur Verfügung. Einzelne Dateien oder Ausdrucke aus diesem Angebot können zusammen mit diesen Nutzungsbedingungen und den korrekten
more » ... unftsbezeichnungen weitergegeben werden. Das Veröffentlichen von Bildern in Print-und Online-Publikationen ist nur mit vorheriger Genehmigung der Rechteinhaber erlaubt. Die systematische Speicherung von Teilen des elektronischen Angebots auf anderen Servern bedarf ebenfalls des schriftlichen Einverständnisses der Rechteinhaber. Haftungsausschluss Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr für Vollständigkeit oder Richtigkeit. Es wird keine Haftung übernommen für Schäden durch die Verwendung von Informationen aus diesem Online-Angebot oder durch das Fehlen von Informationen. Dies gilt auch für Inhalte Dritter, die über dieses Angebot zugänglich sind. Ein Dienst der ETH-Bibliothek ETH Zürich, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Schweiz, www.library.ethz.ch http://www.e-periodica.ch einen großen Teil. Dann bekommst du auch ein bißchen Fleisch und Kartoffeln." Das Kompromiß war geschlossen und beide Teile waren zufriedengestellt. Oder ein andermal: Ilse soll nicht die Bücher aus den Regalen nehmen, denn sie werden dadurch nicht besser. Aber sie möchte doch gerne die Bücher durchblättern. Also ein Kompromiß: "Jetzt schaue dir eine Viertelstunde lang die Bücher an, die du sehen willst, aber dann läßt du sie wieder in Ruhe, nicht wahr?" So geschieht es auch und wenn ich in solchen Fällen zu dem zweieinhalbjährigen Kinde sage: "Wir haben einen Vertrag geschlossen und Verträge muß man halten", so ver¬ steht das Kind bestimmt nicht den Inhalt dieser Worte, aber es hat doch irgendwie das Gefühl, ernst genommen zu werden, gleichberechtigt zu sein. Das Wesentliche ist aber, daß wir Erwachsenen endlich lernen, die Kinder als gleichberechtigte Vertragspartner zu behandeln, daß wir uns abgewöhnen, den Kindern immer hundertprozentig unseren Willen aufzuzwingen, daß wir darauf verzichten, immer und unter allen Umständen recht zu behalten. Es gilt eben auch für die Kinderstube das, was für das Leben in der grossen Welt gilt: "Besser ein vernünftiges Kompromiß als ein unheilgebärender Diktatfriede."
doi:10.5169/seals-851473 fatcat:kxgpcfs5g5fhponqb4j74aefjm